Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.
Dieser Satz des französischen Schriftstellers, Malers und Grafikers Francis Picabia (1879-1953) steht seit mehr als zehn Jahren in meinem Büroregal, so dass ich ihn immer von meinem Schreibtisch aus lesen kann. Gleichfalls, und diesem Ausspruch nicht unähnlich, habe ich einen kleinen Zettel in meinem Kalender mit den Worten aus dem Epheserbrief, der (Kap. 4, V. 23) davon spricht, dass Christenmenschen ihr Denken durch den Geist Christi immer wieder erneuern und prüfen müssen. Die Bibelstelle passt zu Picabias Worten, und sie ist mir lieb und teuer, weil sie dem Denken doch eine Richtung gibt: hin zu mehr Weite, zu Gerechtigkeit und zu dem Mut, alles auf den Prüfstand zu stellen, was allzu eng, verkrustet, eingefahren ist, und was dem Pfingstgeist nicht entspricht, der uns alle zu neuem Verstehen und Handeln führen soll.
In meinen 15 Jahren als Direktorin der Akademie habe ich versucht, diesem weiten Denken und Handeln Raum zu geben. Sei es, indem ich unser Team immer wieder ermuntert habe, Dinge, Sachverhalte, Strukturen, Arbeitsinhalte und Arbeitsformen anders wahrzunehmen und so neu zu denken, oder indem ich Themen auf die Agenda gesetzt habe, die manche überraschten.
Möglich war das, weil der Akademie durch den Bischof diese Freiheit per se zugesprochen wurde, und sicher auch deshalb, weil zwei der Direktoren vor ihrem Bischofsamt die Akademie selbst über viele Jahre geleitet und als Bischöfe wohlwollend begleitet haben. Akademien wie die unsere wurden nach dem Zweiten Weltkrieg als Reaktion auf den Faschismus exklusiv in dieser Freiheit und in diesem Vertrauen geschaffen: als ein Ort des intellektuellen und freien Austauschs von Ideen, Konzepten und Meinungen, konnotiert und geleitet vom Geist Christi.
Ich verabschiede mich nun nach über 15 erfüllten und wunderbaren Jahren, in denen ich die Akademie auf Wunsch von Bischof em. Gebhard Fürst im oben beschriebenen Sinn leiten und gestalten durfte, und hoffe, ja bin mir sicher, dass die Diözese unter Klaus Krämer, ihrem neuen Bischof, die Akademie in diesem Sinn ebenso schätzt und behütet.
Ich danke zuerst meinem Team in den Tagungshäusern und der Geschäftsstelle, weil wir wirklich ein Team waren. Genau das war mir immer besonders wichtig. Ich danke allen Kolleg:innen in der Diözese und den zahlreichen Einrichtungen des öffentlichen Raums für ihr Vertrauen zu uns, das durch die kircheninternen Querelen der letzten Jahre gewaltig auf den Prüfstand gestellt wurde. Darüber hinaus hätten wir ohne unser Kuratorium mit seinem wachen Auge und ohne den Akademieverein vieles nicht schaffen können, und ohne Sie als Tagungsgäste würde unsere Arbeit nur eine interne Angelegenheit bleiben, wenig sinnvoll also.
Sie alle haben nie daran gezweifelt, dass wir etwas zusammen auf den Weg bringen, das unsere Gesellschaft hoffentlich ein bisschen humaner und geduldiger macht. Ich habe 2009 mein Amt mit dem Slogan „Rückkehr und Neuanfang“ begonnen, und so schließe ich diese schönen Jahre auch ab: Ich kehre zurück in einen privaten Raum, auf den ich mich sehr freue, und beginne doch neu... weil das Denken seine Richtung wechseln kann.
Mit einem herzlichen Dank an alle, die der Akademie verbunden sind und sie auch weiterhin wohlwollend begleiten,