| Newsletter Mai 2026

Migration neu erzählen

Historische Entwicklungen, Recht und gelebte Realitäten im Einwanderungsland Deutschland

Die gemeinsam von Akademie und Landeszentrale für politische Bildung durchgeführte Abendveranstaltung „Einwanderungsgeschichte(n) – Wie wollen wir Migration erzählen?“ beleuchtete die Macht der Sprache im deutschen Migrationsdiskurs. Wie wir über Einwanderung nach Deutschland, die einwandernden Personen und die sich dadurch verändernde Gesellschaft sprechen, prägt Wahrnehmungen und ist unmittelbar mit Gesetzgebung sowie individuellen Lebensläufen verknüpft.

Ausgehend von dieser Feststellung diskutierten drei Podiumsgäste über notwendige neue Erzählweisen für eine diverse Einwanderungsgesellschaft.

Video der gesamten Veranstaltung

Klaus Barwig, der langjährige Leiter des Fachbereichs Migration und Menschenrechte an der Akademie, analysierte dabei das historische Kontinuum eines „Wegwünsch“-Reflexes und kritisierte das jahrzehntelang vorherrschende Mantra „Wir sind kein Einwanderungsland“, welches bis heute wirksame Integrationskonzepte behindere. Die Migrationshistorikerin Maria Alexopoulou ergänzte diese Perspektive durch die Forderung nach einem innergesellschaftlichem „Justice-making-Prozess“ und dem „Entlernen“ rassistischen Wissens, um die bereits vollzogene Transformation Deutschlands hin zu einer herkunftsheterogenen Gesellschaft endlich als Normalität in der Mitte der Gesellschaft anzuerkennen.

Einen bewegenden persönlichen Einblick gab der Musiker Mazen Mohsen, der seinen Weg vom syrischen Bürgerkrieg bis zur deutschen Staatsbürgerschaft beschrieb und dabei die schmerzhafte Diskrepanz zwischen rechtlicher Zugehörigkeit und alltäglicher Ausgrenzung sowie Misstrauen thematisierte. Er wünsche sich einen gesellschaftlichen Ton , der Migration nicht nur als Problem behandelt, sondern eingewanderte Menschen als Teil eines gemeinsamen „Wir“ auf Augenhöhe einbezieht.

In der anschließenden Podiumsdiskussion kritisierten die Beteiligten unter anderem, wie im Vorfeld der baden-württembergischen Landtagswahl über Migration gesprochen wurde. Auch mit Blick auf ihr jeweiliges persönliches Engagement dachten sie aber auch darüber nach, wie – auch aus migrantischen Communitys heraus – konstruktive Erzählungen entstehen können.

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