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Liebe Leserin, lieber Leser,

weltweit erhob sich Protest, als der Vatikan mit dem Papier „Dignitas infinita“ im April 2024 erklärte, Transidentität sei mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar. Die römische Erklärung – so die Kritik – spreche Menschen das Recht auf geschlechtliche Selbstbestimmung ab und unterlaufe damit selbst den geforderten Schutz der Menschenwürde.

Wer für die Vielfalt von Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen sensibilisieren möchte, gerät dieser Tage (nicht nur in Rom) in Verruf, eine „Genderideologie“ zu propagieren. Die nannte Papst Franziskus einst „ideologische Kolonialisierung“ und eine Gefahr für das Gemeinwohl. Das Kompendium der kirchlichen Soziallehre, der Katechismus und das katholische Kirchenrecht sind sich einig: die Gottesebenbildlichkeit des Menschen, die seine einzigartige Würde ausmache, lasse sich nur in einer Beziehung zwischen Mann und Frau verwirklichen. In dieser Perspektive werden alle Personen, die nicht in das binäre Geschlechtermodell passen, zur Bedrohung für die gottgewollte Ordnung.

Mit ihrer Lehre hat die Kirche lange Zeit Diskurse und Praktiken legitimiert, die queere Menschen an den Rand stellten und diskriminierten. Die Humanwissenschaften und die weltliche Rechtsprechung sind längst weiter, doch der Kirche fällt es offenbar noch schwer zu akzeptieren, dass sich Gottes Schöpfung mitunter nicht an von Menschen geschaffene Konzepte hält.

Erst langsam zeichnet sich ein vorsichtiger Umbruch ab: Die Initiative #OutInChurch sowie die Handlungstexte des Synodalen Wegs in Deutschland fordern eine eindeutige Haltung der Anerkennung von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt durch und in der Kirche. Das Arbeitsrecht, das queere Menschen in kirchlichen Handlungs- und Berufsfeldern über lange Zeit diskriminierte, wurde reformiert, und in fast allen deutschen Bistümern gibt es mittlerweile Stellen für queersensible Pastoral. 2023 wurden Segnungen für homosexuelle Paare (wenn auch unter restriktiven Bedingungen) offiziell von Rom erlaubt.

Auf einer Tagung im November blicken wir – vielleicht auch mit Ihnen? – auf das Verhältnis zwischen queeren Menschen und den beiden großen christlichen Kirchen in Geschichte und Gegenwart, „auf Fluchtlinien, Möglichkeitsräume, Perspektiven“. Zur Vorbereitung haben wir in diesem Interview mit Ursula Wollasch geredet, der früheren diözesanen Ansprechpartnerin für trans* Menschen. Festzuhalten bleibt schon jetzt: Queere Menschen sind kein Gegenüber der Kirche, sondern sind und waren schon immer Teil von ihr. 

Es grüßen Sie herzlich

 

   

 

   

 

Linda Huber M.A.
Bildungsreferentin
Fachbereich Gesellschafts- und Sozialpolitik

 

Dr. Thomas König
Fachbereichsleiter
Fachbereich Gesellschafts- und Sozialpolitik

 

Dr. des. Johannes Kuber
Fachbereichsleiter
Fachbereich Geschichte

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Mittendrin

Liebe Freundinnen und Freunde der Akademie,

nicht nur die Lage der Welt ist bedrückend, auch die Hoffnung nimmt ab. Das macht die Lage noch düsterer. Für den Friedensnobelpreis 2024 waren deutlich weniger Kandidat:innen nominiert als in den Jahren davor. Das heißt: weniger Persönlichkeiten und Organisationen werden heute als einschlägig profiliert betrachtet. Lichtgestalten gar, Zugpferde und Hoffnungsträger – wie Barack Obama, der den Preis nach nicht mal einem Jahr US-Präsidentschaft erhielt – scheinen derzeit am Horizont nicht auf.

So griff das Nobelpreis-Komitee tief in die Vergangenheit. Es ehrte die letzten Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 80 Jahren. Unermüdlich und zäh bemüht sich die Gruppe Nihon Hidankyo, die Erinnerung wachzuhalten an diese furchtbare Vernichtung von damals – und an die körperlichen wie seelischen Folgen für jene, die das Grauen überstanden haben.

Ziel von Nihon Hidankyo ist das „Nie wieder!“ Es ist Graswurzelarbeit. Es ist Sensibilisierung von unten, stille Gedächtnisarbeit mit Blick auf eine Zukunft…

…die schon wieder mit einer steigenden Zahl einsatzbereiter Atomwaffen einhergeht, und mit einer Gegenwart, deren Zerstörungsbilder – Gaza, Ukraine – den Bildern von 1945 im Grauen kaum mehr nachstehen. Es gibt Menschen, die partout solche Bilder produzieren wollen, auch heute noch, mit voller Absicht, wider bessere Einsicht, die Erinnerung ganz und gar nicht als Mahnung begreifend, sondern sie zynisch zitierend: Seht her, ich kann das auch!

Die letzten Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki, die zähen, die tapferen – sie kämpfen dagegen an mit der unbeugsamen Kraft der Hoffnung. Sie lassen sich politisch nicht vereinnahmen. Sie wollen keinen Sieg, sie wollen Frieden. Dafür verdienen alle Ehrungen dieser Welt. Noch mehr aber brauchen sie etwas anderes: Menschen, die mitstreiten. Menschen wie sie. (pk)

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