Von Merga Yonas
Vom 5. bis 7. Dezember 2025 fand im Tagungszentrum Hohenheim ein wichtiger Dialog statt, an dem eine interdisziplinäre Gruppe von Wissenschaftlern, führenden Vertretern der Zivilgesellschaft, politischen Entscheidungsträgern, Medienvertretern und Branchenexperten teilnahm. Unterstützt von ENGAGEMENT GLOBAL mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Afrikastudien der Universität Bayreuth befasste sich die Konferenz „Rohstoffe in und um Afrika: Herausforderungen und Chancen“ mit einer der entscheidenden Fragen der Zeit: Wie kann Afrika seine unverzichtbare Rolle bei der Sicherung der globalen Versorgung mit kritischen Rohstoffen ausbauen und gleichzeitig Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und eine nachhaltige Entwicklung für seine Bevölkerung gewährleisten?
Afrikas Reichtum, die Nachfrage der Welt
Die Zahlen sprechen für sich. Afrika verfügt schätzungsweise über 30 % der weltweiten Bodenschätze, darunter mehr als zwei Drittel der globalen Kobaltproduktion, wichtige Platinmetalle und bedeutende Vorkommen an Kupfer, Lithium und Seltenen Erden. Diese Rohstoffe sind das Fundament der grünen und digitalen Wende – sie treiben Elektrofahrzeuge, Windkraftanlagen und Wasserstofftechnologien an. Wie Dr. -Ing. Jürgen Vasters von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) darlegte, ist Afrika nach wie vor von entscheidender Bedeutung für kritische Rohstoffe (CRMs), doch ist es noch immer weitgehend unerforscht, was transparente Partnerschaften und Investitionen erforderlich macht.
Die zentrale, immer wiederkehrende Frage, die von Referenten wie Dr. Godelive Batano (Universität Bayreuth) und Dr. Penda Diallo (Universität Exeter) gestellt wurde, lautete jedoch: „Kritisch für wen?“ Das derzeitige Modell der Rohstoffgewinnung habe es zu oft versäumt, den Reichtum an Bodenschätzen in lokalen Wohlstand oder Würde umzuwandeln. Batanos harte Erkenntnisse aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK) verdeutlichten, dass der handwerkliche Bergbau von Kinderarbeit, Sicherheitsrisiken und unbeständigen Einkommen geprägt ist, was die Erzählung von „sauberem Kobalt“ für „saubere Energie“ in Frage stellt. Diese Diskrepanz macht deutlich, dass ein grundlegender Wandel dringend notwendig ist.
Jenseits der Rohstoffgewinnung: Von kolonialen Erbschaften zu gerechten Partnerschaften
Ein zentrales Thema war das spürbare Risiko eines neuen „Rohstoffkolonialismus“, wie es von Dr. Johannes Knierzinger (Universität Wien) untersucht wurde. Angesichts globaler Lieferketten, die von wenigen Akteuren dominiert werden, und afrikanischer Nationen, die oft auf die Rolle bloßer Lieferanten von unverarbeiteten Erzen reduziert werden, steht der enorme Reichtum des Kontinents an natürlichen Ressourcen in starkem Kontrast zu seinem geschätzten nominalen BIP. Die Konferenz stellte die Frage, ob internationale Engagement, von der Rohstoffinitiative der EU bis hin zu Investitionen verschiedener Weltmächte, eine echte Partnerschaft darstellen oder lediglich eine verfeinerte Version eines alten, extraktiven Modells sind – was Diallo kritisch als „Möwenverhalten“ bezeichnete: hereinkommen, Lärm machen und Ressourcen mitnehmen.
Die Perspektive der Zivilgesellschaft, die von Thérèse Mema Mapenzi von der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden in der DR Kongo eindringlich vertreten wurde, stellte einen direkten Zusammenhang zwischen Rohstoffabbau und Konflikten, Vertreibung und Menschenrechtsverletzungen her. Ihr Zeugnis unterstrich, dass Mineralien ohne Rechenschaftspflicht, Transparenz und Verträge, die die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellen, eher zu einer Quelle des Leidens als der Entwicklung werden können.
Eine nachhaltige und souveräne Zukunft gestalten
Die Konferenz beschränkte sich nicht darauf, Probleme zu diagnostizieren, sondern suchte aktiv nach Lösungen im Rahmen einer nachhaltigen Partnerschaft, einem Kernprinzip, das mit den Zielen der vom BMZ unterstützten Entwicklungszusammenarbeit im Einklang steht.
- Lokale Wertschöpfung und Industrialisierung: In den Vorträgen wurden vielversprechende Wege für Afrika aufgezeigt, um in der Wertschöpfungskette aufzusteigen. Beispiele hierfür sind der Bau von Fabriken für Kathodenvorprodukte in Sambia und der Demokratischen Republik Kongo, die Verarbeitung von Seltenen Erden in Namibia und die Lithiumaufbereitung in Simbabwe. Wie Meike Schulze (Stiftung Wissenschaft und Politik) feststellte, sind Afrikas eigene strategische Rahmenwerke wie die African Green Mineral Strategy unerlässlich, um die Souveränität zu behaupten und mehr Wert im Inland zu schaffen.
- Verantwortungsbewusster und klimaresistenter Bergbau: Experten wie Martin Kofi Mensah (Technische Universität Freiberg) diskutierten Methoden zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks des Bergbaus. Das von Willi Haas (Universität für Bodenkultur Wien) untersuchte Konzept der Kreislaufwirtschaft bietet eine doppelte Chance: für Europa, die Materialeffizienz zu steigern und die Nachfrage zu senken, und für Afrika, eine Mineralwirtschaft zu entwickeln, die von Anfang an Abfall und Umweltzerstörung minimiert.
- Inklusive Governance und Corporate Accountability: Der Konsens war eindeutig. Ein gerechter Übergang erfordert inklusive Politik, strenge Unternehmensverantwortung und eine Governance, die den Menschen Vorrang einräumt. Das bedeutet, Sicherheit und faire Entschädigungen zu gewährleisten und Einnahmen aus Ressourcen in öffentliche Einrichtungen wie Bildung und Infrastruktur zu investieren. Wie Dr. Batano zusammenfasste: „Ein echter grüner Wandel ist ein Wandel, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht.“
Fazit: Gemeinsame Verantwortung für eine gemeinsame Zukunft
Die Konferenz in Hohenheim diente als wichtige Plattform für einen ehrlichen, sektorübergreifenden Dialog. Sie bekräftigte, dass die Rolle Afrikas in der globalen Rohstoffversorgung für eine nachhaltige Zukunft unverzichtbar ist. Der Weg in die Zukunft, wie er in der abschließenden Diskussion deutlich wurde, muss der einer echten Partnerschaft sein.
Das bedeutet, dass das Paradigma der einfachen Rohstoffgewinnung zugunsten einer gemeinsamen Gestaltung aufgegeben werden muss, bei der europäische und internationale Akteure die Souveränität Afrikas, die Wertschöpfung und ökologische Standards unterstützen. Dazu muss den Perspektiven der lokalen Gemeinschaften zugehört, die Menschenrechte gewahrt und sichergestellt werden, dass die Mineralien, die den weltweiten ökologischen Wandel vorantreiben, auch die Entwicklung, die Menschenwürde und das Wohl der Gesellschaften fördern, aus denen sie stammen.
Die Veranstaltung, die durch die Unterstützung von ENGAGEMENT GLOBAL und dem BMZ ermöglicht wurde, ist ein Beispiel für die Art von kooperativem, zukunftsorientiertem Dialog, der notwendig ist, um diese Vision zu realisieren. Die Herausforderung ist immens, aber der Rahmenbedingungen für eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft im Rohstoffbereich, die auf gegenseitigem Respekt und gemeinsamem Nutzen basiert, wurden klar formuliert. Die Umsetzung dieses Dialogs in konkrete Maßnahmen ist der nächste entscheidende Schritt für alle beteiligten Akteure.
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Eindrücke und Rückblick zur Tagung "Rohstoffpolitik in und um Afrika - Herausforderungen und Chancen", von Jan-Luis Dietz:
„Critical for who?“ – diese Frage ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Die Teilnahme an den Afrikagesprächen hat mich als Mensch undvor allem als jemand aus den Ingenieurswissenschaften bereichert. Die Möglichkeit, mein eigenes Silo zu verlassen und in einen Raum einzutreten, der von vielen anderen Disziplinen gestaltet wurde, hat meinen Blick geweitet und meine Perspektiven verändert. Die Veranstaltung bot ein breites Spektrum an Fachwissen zur Rohstoffpolitik in und um Afrika. Vorträge aus Industrial Ecology undCircular Economy, Methoden des nachhaltigen und verantwortungsvollen Bergbaus, die imperiale ohstoffausbeutung des „globalen Südens“ sowie die Arbeit von Menschenrechtsaktivist*innen in der DR Kongo ermöglichten es mir, mein Wissen zu vertiefen. Dabei wurde für mich deutlich, dass es um Haltung statt um Bevormundung geht und dass eine nachhaltige Entwicklung konsistent angestrebt werden muss, um nicht scheinheilig zu wirken. Ich habe gelernt, dass die konsistente „upstream justice and responsibility“ sowie "downstream sustainability“ sich in unseren Lieferketten zeigen müssen. Zudem sollten Communities besser und auf Augenhöhe in den Rohstoffhandel eingebunden werden. Der Überkonsum des „globalen Nordens“ ist für Wasserknappheit, Schwermetallbelastung, Biodiversitätsverluste und viele weitere Umweltschäden in Ländern wie der DR Kongo, Sambia, Südafrika und Guinea verantwortlich. Dies steht in direktem Zusammenhang mit der Eingangsfrage: Rohstoffe sind vor allem kritisch für diejenigen, die sie verbrauchen."








