| Newsletter Juni 2026

Menschen an neuen Orten verbinden

Wie Tandems und Mentorin-Projekte das Ankommen und Teilhaben erleichtern

Von Dr. Daniel Meier

Tandemprogramme öffnen als Lernformate Begegnungsräume, in denen Menschen mit unterschiedlichen Biografien zusammenkommen und sich begegnen mit ihren eigenen Perspektiven, Werten und Haltungen. Sie haben einen individuellen Fokus und verfolgen das Anliegen, Menschen zu verbinden und das Ankommen an einem neuen Ort zu erleichtern: bei der Begleitung während der Ausbildung, bei Formalitäten, bei den Hausaufgaben, beim Deutschsprechen, beim gemeinsamen Kochen, Tanzen, die Stadt entdecken und vielem mehr. Der Fachtag „Ankommen und teilhaben“ hat kürzlich vielfältige Blicke auf die so genannten „Mentoring-Tandems“ geworfen.

Zusammen mit dem Caleidoskop und WelcoMEntor, einem Projektder Bürgerstiftung als Kooperationspartner habe man das Ziel in einem Prozess entwickelt, berichtet Christina Reich von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Herausgekommen sei, die Wirksamkeit von Tandems und Mentoring-Projekten in den Fokus zu stellen und zu diskutieren, wie diese noch sichtbarer gemacht und Vernetzungen und Kooperationen gestärkt werden können. Dabei habe man bewusst eine breite Zielgruppe angesprochen und partizipative Methoden gewählt, um unterschiedliche Perspektiven zusammen zu bringen und gemeinsam gut in den Dialog zu treten Gezielt wurden zum Beispiel Menschen mit Fluchterfahrung im Vorfeld gefragt: Was ist eigentlich das zentrale Thema gewesen, was euch beschäftigt hat, als ihr nach Deutschland gekommen seid? „Wir haben irgendwann erkannt: Das Thema von Freundschaften und sozialen Beziehungen ist eines, das sehr, sehr viele bewegt und haben herausgefunden, dass Tandemprojekten helfen können, aber nur wenig bekannt sind“, erklärt Pauline Suaznabar Mendoza von der Quartiersarbeit des Freiwilligenzentrums Caleidoskop beim Caritasverband für Stuttgart. Hilfreich sei zudem, Migrationsnarrative in den Medien kritisch zu hinterfragen, ergänzt Caren Moirongo von welcoMEntor, Bürgerstiftung Stuttgart.

„Das Besondere an diesem Format ist ja, dass sich zwei Menschen begegnen, die sich eigentlich im Leben nicht begegnet wären“, berichtet Dr. Behzad Förstl vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement aus Berlin, dessen einleitender Vortrag unter der Leitfrage steht: „Wie stärken Tandemprogramme gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratiekompetenz?“ Wichtig sei, dass es sich nicht um eine hierarchische Beziehung handelt, wo es jemanden mit viel Wissen gibt und die andere Person dann nur noch von diesem Wissen profitiert, sondern ein Begegnen auf Augenhöhe stattfinde. Konkrete Anregungen zu der Herausforderung, mehr Ehrenamtliche zu gewinnen, gab danach Tim Noppeney von TEAMiN: The Inclusive Network.

Den dritten „Denkanstoß“ an diesem Tag lieferten Dr. Masooma Torfa (Co-Founderin und leitendes Mitglied von Female Fellows e.V., Stuttgart) sowie Brigitte Ott-Göbel und Alla Lesun (Tandempartnerinnen beim Ausbildungscampus Stuttgart). Sie diskutierten, wie ein wertschätzendes und respektvolles Miteinander in Tandems gelingen kann und Machtasymmetrien und Helfernarrative kritisch reflektiert werden können. In   Dialogrunden an moderierten  und vielfältig besetzten Tischgruppenvertieften die Teilnehmenden die Inhalte des jeweiligen Denkanstoßes, brachten eigene Erfahrungen ein und übertrugen das Gehörte auf ihre eigenen Kontexte.

Ein „Markt der Vielfalt“ mit Infoständen zu verschiedenen Initiativen und Tandemprogrammen sowie Dialog-, Kreativ- und Mitmachstationen  rundete den Austausch am Nachmittag ab.