Von Ilonka Czerny
Mit Premieren ist das so eine Sache. Sie können ein Erfolg oder ein Flop sein. Entweder sind die Teilnehmenden sehr mutig, kommen aus Neugier und auch weil das Thema zieht. Oder Lesende der Einladung finden Neues schwierig, sind abwartend und lassen sich zunächst nicht auf das Experiment ein.
Zur Premiere der Veranstaltung „Kunst & Lebenshilfe“ sind nicht viele Teilnehmende am 25.10.2025 ins Tagungszentrum Hohenheim gekommen. Nur eine kleine Gruppe hat sich auf die ungewöhnliche Kombination von dem – nicht enggefassten Wort – der Kunst und dem therapeutisch-philosophischen Begriff der Lebenshilfe anziehen lassen.
Jedoch: Noch nie haben wir nach einer „Tagung“, die letztlich gar keine klassische ist, weil sie nur ein Impulsreferat aber viele Workshopelemente vereinte, prozentual derart viele positive Rückmeldungen erhalten – auch noch Wochen später.
Das Wetter ist nicht warm, aber sonnig gewesen. Aus diesem Grund fand die erste Einheit des Kennenlernens auf der herbstlich anmutenden Terrasse der Akademie statt. Mitgebrachte Objekte, die die Teilnehmenden als persönliche Kunst-Kraftwerke empfanden, wurden im Tagungsraum gemeinsam reflektiert. Dr. Ilonka Czerny referierte während des Impuls-Vortrags „Kunst als Nahrungsmittel, Lebens-Mittel & ‚Therapeutikum‘“ über unterschiedliche kunsttherapeutische Ansätze, zudem über institutionelle Angebote – das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart oder das Bode-Museum in Berlin wurden beispielhaft erwähnt. Diese Institutionen setzen Kunst ein, damit sie zur Heilung beitragen und als präventives Mittel bei suizidalen Gedanken eingesetzt werden kann. Es ist wissenschaftlich erwiesen, Kunst kann sehr gut zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden.
Mit Drahtkleiderbügel galt es zu gestalten und intuitiv wurde auf Aquarellpostkarten gemalt. Am frühen Nachmittag fand ein „Ressourcen-Spaziergang“ im angrenzenden Exotischen Garten Hohenheim statt, während dem über auffällige und individuell ansprechende Naturformationen gesprochen wurde. Stets war die Trainerin für „Personality Development“, Susanne F. Gopalan, sehr hilfreich, Zusammenhänge zwischen Gestaltetem und der eigenen Persönlichkeit herzustellen. Gopalan verstand es, aus ihrem großen beruflichen und menschlichen Erfahrungsschatz zu schöpfen, ihre vielfältige Methodenkompetenz einzubringen und ihre empathische Persönlichkeit ganz in die Veranstaltung einfließen zu lassen. Sie kümmerte sich außergewöhnlich wertschätzend um jede einzelne Teilnehmerin und jeden einzelnen Teilnehmer – ganz individuell ging sie auf die jeweiligen Bedürfnisse ein. Es flossen auch Tränen bei Teilnehmenden, weil das Gopalan-Coaching sehr berührend gewesen ist.
Alle Anwesenden empfanden den Tag als Bereicherung und die Kunst als stärkendes Mittel. Ja, Kunst kann Lebenshilfe! Gerne dürfen sich weitere Interessierte davon überzeugen.





