Von Paul Kreiner
Seit 1993 bemüht sich Heinz-Hermann Peitz, promovierter Theologe, um den Dialog zwischen Naturwissenschaft(en) und Theologie. Da galt es, gegenseitige Missverständnisse zu klären, Gräben zu überwinden, das Gespräch am Laufen zu halten. Manche Fragen, die längst als erledigt galten, sind in neuer Verkleidung zurückgekehrt, etwa: Wie verhalten sich Schöpfung und Evolution zueinander? Der Kreationismus ist ja eine vergleichsweise junge Entwicklung.
Andere Fragen haben sich aufgetan, die vor 31 Jahren noch nicht mal am Horizont erschienen sind: Was kann, soll und darf Gentechnik? Was ist und wie umgehen mit Künstlicher Intelligenz? Wie beeinflusst sie das Bild des Menschen von sich selbst? Und, im Zeitalter des nur unzureichend verhinderten Klimawandels: Wie geht der Mensch, der theologisch ja einst als „Krone der Schöpfung“ betrachtet wurde und sich selbst zu expansiver Machtergreifung über den Rest der Welt „beauftragt“ sah („Macht Euch die Erde untertan!“), damit um, dass genau er es ist, der Gottes Welt zugrunderichtet? Das „gemeinsame Haus“, wie es Papst Franziskus bezeichnet? Lässt der Mensch von heute diese unausweichliche Einsicht an sich heran? Ist statt dem aufbrechenden Optimismus des 20. Jahrhunderts nun die Zeit für Desillusionierung, für Buße, für Umdenken?
Außerdem hat sich der Stellenwert der Kirche im gesellschaftlichen Gespräch während der letzten 31 Jahre gravierend verringert. Hat sie noch was zu sagen? Versteht sie überhaupt schon etwas von der welt- und wahrnehmungsverändernden Kraft der Künstlichen Intelligenz?
Und wie steht es um die Naturwissenschaften? Sind sie überhaupt noch interessiert an einem Dialog mit Kirche, Glauben, Ethik? Halten sie das Gespräch noch für relevant? Wie offen für eine Selbstreflexion sind sie, bedrängt vom Fundamentalismus einerseits, andererseits beflügelt vom Eindruck einer grenzenlosen Machbarkeit und von rasanten Erfolgen (beispielsweise in der Genforschung und bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19)?
Heinz-Hermann Peitz hat sich immer seinen weiten Horizont, seine aufgeschlossene, optimistische Neugier bewahrt, das Staunen, das den Philosophen auszeichnet. Nie ist er in Skeptizismus oder Resignation abgerutscht. Zum 31. Juli 2024 hat er in der Akademie den Stab altershalber weitergegeben an Fabian Jaskolla, der – geboren 1997 – nicht einmal halb so alt ist wie er selbst. Es ist ein Generationswechsel.
Zuvor hat Dr. Peitz im Interview mit Paul Kreiner seine Jahre an der Akademie noch einmal Revue passieren lassen und Ausblicke gewagt auf die Zukunft.
Das Gespräch finden Sie hier auf Youtube. Das „Forum Grenzfragen“, in dem Dr. Peitz seine Tagungen ausführlich in Text und Video dokumentiert hat, bleibt unter dieser Adresse weiterhin zugänglich. Schauen Sie rein. Es lohnt sich!

