Von Gunter Neubauer und Thomas König
„Einsamkeit ist ein Risiko – Gemeinschaft eine Ressource“: So lautet das Motto der Internationalen Männergesundheitswoche 2026. In diesem Rahmen stand die online-Veranstaltung „Männerschuppen – Men’s Sheds: Orte der Begegnung und Gesundheitsförderung“.
Die sogenannten Men’s Sheds oder Männerschuppen sind im Zusammenhang von Einsamkeit und Gemeinschaft ein besonders interessantes und erfolgreiches Konzept. Ihren Ursprung haben sie in den 1990er-Jahren in Australien. Entstanden sind sie aus der Erkenntnis, dass insbesondere ältere Männer nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben häufig ihre bisherigen sozialen Kontakte verlieren und zudem von gesundheitsbezogenen Angeboten seltener erreicht werden als Frauen. In den Männerschuppen treffen sich Männer in ungezwungener Atmosphäre, arbeiten gemeinsam an Projekten, tauschen Erfahrungen aus und knüpfen neue soziale Beziehungen.
Damit wird ein Thema aufgegriffen, das für die Gesundheit und das Wohlbefinden vieler Männer von großer Bedeutung ist, denn soziale Isolation und Einsamkeit können die körperliche und psychische Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Gleichzeitig zeigen viele Beispiele, wie wichtig und förderlich Begegnung, Teilhabe und gemeinschaftliches Engagement für ein gesundes Leben sind.
Männerschuppen – ein weltweit erfolgreiches Konzept
Was als lokale Initiative in Australien begann, hat sich inzwischen weltweit verbreitet. Heute gibt es mehrere tausend Men’s Sheds in Australien, Neuseeland, Irland, Großbritannien, Kanada bis hin zu den Cayman Islands und in vielen weiteren Ländern. Im Wesentlichen sind es Länder, die dem Commonwealth angehören. Mit ihrem Fokus auf soziale Interaktion und Gesundheitsförderung setzen sie dabei einen etwas anderen konzeptionellen Akzent als die vielerorts bekannten Repair Cafés. So gehört zu jedem Männerschuppen ein Angebot mit Zugang zu Gesundheitsthemen, und fast immer auch Erste-Hilfe-Kurse. Sie sind offen für alt und jung und strikt unpolitisch, bieten Hilfen zur Kommunikation, Konfliktbewältigung und zur Vernetzung. Auch in Deutschland wächst das Interesse an diesem Ansatz stetig, aktuell sind es acht Männerschuppen.
Neben anderen engagiert sich die Stiftung Männergesundheit seit mehreren Jahren für die Verbreitung und Weiterentwicklung von Männerschuppen in Deutschland. Dazu gehören Fachveranstaltungen, Vernetzungsaktivitäten, ein Beirat Männerschuppen sowie insgesamt die Unterstützung von Forschungs- und Praxisprojekten zur Männergesundheit.
Die Referenten des Abends – Lennart Semmler von der Landesvereinigung für Gesundheit und der Akademie für Sozialmedizin der Länder Niedersachsen und Bremen und Oliver Bock von der AG Epidemiologie des demographischen Wandels der Universität Bremen gaben Einblicke in das Forschungs- und Praxisprojekt „MARS – Männerschuppen als Orte der Prävention und Gesundheitsförderung für Männer ab 50 im kommunalen Setting“. Sie stellten vor, wie Männerschuppen entstehen können, welche Erfolgsfaktoren für ihre nachhaltige Etablierung wichtig sind und welche Erkenntnisse und Empfehlungen der neu entwickelte Leitfaden für Kommunen und Initiativen bereithält. Die Rolle von Beteiligung und lokalen Netzwerken wurde ebenso diskutiert. Der interessante Vortrag brachte viele neue Anregungen für die Teilnehmenden, einem guten Austausch können hoffentlich weitere Vernetzungen folgen.
Die Abendveranstaltung setzte damit in bewährter Weise die 2021 gestartete Online-Vortragsreihe „Männer B-W – Männer- und Väterthemen in Baden-Württemberg“ mit der inzwischen dreizehnten Veranstaltung fort. Die Kooperationspartner der Veranstaltungsreihe waren dieses Mal die Abteilung für Chancengleichheit der Landeshauptstadt Stuttgart, männer.bw – das Forum Männer und Väter in Baden-Württemberg – sowie die Akademie und die Männerarbeit der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Weiterführende Links
Sendung des NDR über Männerschuppen vom 17. Juli 2026:
https://www.youtube.com/watch?v=rQPbkyLu5Qg