| Newsletter November 2026

Die letzte Messe ist gewesen

"Leben und Tod" nimmt Abschied aus dem Süden

Von Thomas König

„Das war eine wunderschöne fünfte und letzte LEBEN UND TOD in Freiburg“, so die Gründerin der Messe, Meike Wengler. Die Messe wird es weiterhin in Bremen einmal im Jahr im Frühling geben und von dort die Themen Leben und Sterben, Tod und Trauer ins Leben der Menschen tragen.

„Grenzgänge“, so lautete das übergeordnete Thema der diesjährigen LEBEN UND TOD, die leider auch die letzte Ausgabe der Messe und des dazugehörigen Fachkongresses in Freiburg war. Vom 16. bis 17. Oktober war sie noch einmal der Ort für die letzten Fragen des Lebens mit mehr als 60 Fachvorträgen und Workshops sowie über 120 Ständen in der Halle der Messe Freiburg. Die Stimmung der auch dieses Mal wieder mehr als 3.000 Besucher:innen war ein wenig wehmütig und dennoch wie immer auch gelassen und heiter. Veranstalter war bisher die „Ahorn Kultur GmbH“ ab dem kommenden Jahr wird es die „Deutsche PalliativStiftung“ sein und die LEBEN UND TOD wird wie schon seit vielen Jahren weiterhin in Bremen stattfinden, in 2027 vom 16. bis 17. April.

Grenzgänge

Susanne Kränzle, Vorsitzende des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes und Gesamtleitung im Hospiz Esslingen, griff in ihrem einführenden Impuls das Thema der „Grenzen“ auf, die es zu erfahren, zu überschreiten und zu verstehen gälte. Dabei sei der ethische Diskurs zu digitaler Technik nicht alleine für sich zu führen, es brauche ebenso eine spirituelle Achtsamkeit, wenn es darum ginge, das Leben zu teilen und über Tod und Trauer nachzudenken. Sie warnte ausdrücklich vor Grenzüberschreitungen im gesellschaftlichen Diskurs, die bisher Unsagbares wieder möglich machten. Hier gälte es Grenzen zu verteidigen und die Demokratisierung der Sorge voranzutreiben!

Die Themen der Messe und des Kongresses kamen aus Medizin, Ethik, Theologie und Pflege, ebenso wie aus dem Bestattungswesen, dem Sozialbereich und der Gesellschaft. 

Künstliche Intelligenz

Ein Schwerpunkt lag dabei auf den Möglichkeiten, Risiken und Anwendungen der so genannten „Künstlichen Intelligenz.“ Ob in der Trauerbegleitung, in der palliativen Versorgung von Patient:innen oder in der Vorsorge und Begleitung, viele Vorträge des Fachkongresses widmeten sich Facetten des Themas.

Die Philosophin und Medienethikerin Prof. Dr. Jessica Heesen von der Universität Tübingen sprach zu „Durch Künstliche Intelligenz ‚weiterleben‘ nach dem Tod. KI-Dienste ermöglichen die Kommunikation mit den Imitationen von Toten.“ Sie fragte: „Was bedeutet das für Trauer, Selbstbestimmung und Pietät?“ Das Thema „Digital Afterlife“ tauchte in verschiedenen Zusammenhängen in Beiträgen immer wieder auf. 

Der Freiburger Medizinethiker Prof. Dr. Giovanni Maio postulierte „Warum KI nicht alle Probleme lösen kann.“ KI sei hilfreich, aber sie könne nur bestimmte Dinge lösen, so seine These. Einen Solutionismus per toto anzunehmen sieht er als zu vereinfachend an, es werde der Komplexität des Themas nicht gerecht und ignoriere einige Prämissen, die beim Einsatz dieser Techniken gemacht wurden und werden.

Der Schweizer Palliativmediziner Prof. Dr. David Blum sprach über „Leben, Leiden, Sterben und Tod im digitalen Zeitalter.“, der Theologe Dr. Jonas Simmerlein aus Wien über „Seelsorge im Zeitalter der Maschine“. Doch auch nicht-digitale Themen des Lebens wurden gemeinsam diskutiert. So fragte etwa Susanne Kränzle in ihrem Vortrag „Suizidassistenz und hospizliche Haltung – (wie) passt das zusammen?“ und Hanna Roth las aus ihrem Buch zu „Sterben Frauen anders?“

Abschied

Technik und Ethik, Nähe und Distanz, Leben und Abschied: Die LEBEN UND TOD vereinte noch einmal viele Fragen, die sich stellen, wenn Leben zuende geht. Es bleibt der Dank an Meike Wengler und das ganze Team der Messe, die diese Veranstaltung die vergangenen fünf Jahre mit großem Engagement ermöglicht hat. Die Mitgliedschaft der Akademie im Beirat der LEBEN UND TOD in Freiburg endet nun mit der letzten Messe. Für die Zukunft wird sich ein Team finden um andere Veranstaltungen im Themenfeld zu planen.

Weitere Infos unter www.leben-und-tod.de