| Newsletter Februar 2025
RespACT – Vielfalt leben. Haltung zeigen.

Der Krieg in der Schule

Wie lässt sich der Nahost-Konflikt im Unterricht behandeln? Wie umgehen mit Antisemitismus und Rassismus gegen Muslime? Ein neues Projekt im Rahmen von RespACT.

Von Stefanie Jebram und Dr. Konstanze Jüngling

Seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem Beginn des Kriegs im Nahen Osten ist auch an Schulen ein besonderer Gesprächsbedarf gewachsen. Wie in einem emotional aufgeladenen Konflikt das Leid und die politischen Interessen aller Seiten thematisieren? Wie mit wachsendem Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus in unserer Gesellschaft umgehen? Wie die Schüler:innen bei der oft täglichen Konfrontation mit Fake News in den (Sozialen) Medien stärken?

Anknüpfend an unsere vielfachen Erfahrungen mit dem Workshop „Fakten-Check Ukraine-Krieg“, den wir seit Sommer 2022 gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg im Rahmen des AKSB-Projekts „RespACT“ an Schulen veranstalten, war es unser Ziel, ein Format für junge Menschen zu entwickeln, das sich schwerpunktmäßig mit den unmittelbaren Auswirkungen des Konflikts auf ihre Lebenswelt auseinandersetzt, ohne jedoch die Komplexität des Themas außen vor zu lassen.

Wie entlarve ich Fake News?

In einem interdisziplinären Akademie-Team aus den Bereichen „Interreligiöser Dialog“ (Dr. Christian Ströbele), „Migration und Menschenrechte“ (Dr. Konstanze Jüngling) und „RespACT – Vielfalt leben. Haltung zeigen“ (Stefanie Jebram) entstand in erneuter Kooperation mit dem Fachbereich Europa und Internationales der LpB (Tengiz Dalalishvili) der Workshop „Fakten-Check Krieg in Nahost“, der im Dezember 2024 erstmals gemeinsam mit Schüler:innen aus zwei zehnten Klassen erprobt wurde und der in den kommenden Monaten im Rahmen einer Pilotphase sukzessive evaluiert und angepasst werden soll.

Nach einem spielerischen Einstieg zu Medien und eigenem Nutzungsverhalten beginnt die Veranstaltung mit einem kurzen interaktiven Theorieblock zu Fake-News: Was ist der Unterschied zwischen Falschinformation und Desinformation, wo beginnt Propaganda im Allgemeinen und welche spezifische Intention verfolgt Kriegspropaganda im Speziellen? Unter anderem anhand der Kriterien des Qualitätsjournalismus‘ (wie Unparteilichkeit, Sachlichkeit, Sorgfalt bei der Recherche, Ausgewogenheit etc.) lernen die Jugendlichen, jede Art von Nachrichten kritisch zu überprüfen und Fake News zu entlarven. Dass das gut gelingt, zeigte sich in der anschließenden Gruppenarbeits-Phase: Alle Teams beherrschten das Handwerkszeug so gut, dass sie Videos und Printmeldungen en détail korrekt analysieren und die Ergebnisse präsentieren konnten.

Schuld in verschiedenen Sichtweisen

In einem nächsten Schritt dann gilt es, sich gemeinsam mit den Jugendlichen die häufigsten Narrative und Schuldzuweisungen anzuschauen und so differenziert wie möglich einen jeweils aktuellen Stand der oft noch laufenden Ermittlungen aufzuzeigen: Hierbei werden Behauptungen, die israelische Regierung habe vom Angriff der Hamas gewusst oder es gebe gar keine Zivilisten in Gaza, ebenso aufgenommen wie die Frage, ob Israel in Palästina Völkermord begehe.

Um ein historisches Verständnis für den seit hundert Jahre bestehenden und immer wieder eskalierenden Konflikt zu schaffen und den aktuellen Krieg in diesen Kontext einordnen zu können, folgt in einer weiteren Einheit ein kurzer Film über die Geschichte Palästinas und Israels.

Der Tatsache, dass sowohl antisemitische Vorfälle als auch Fälle von antimuslimischem Rassismus nach dem 7. Oktober 2023 stark angestiegen sind, widmen wir uns im anschließenden Teil: Wie wird Antisemitismus definiert, und welche Erscheinungsformen gibt es? Wie können wir – anhand der so genannten 3D-Regel – israelbezogenen Antisemitismus relativ leicht erkennen, und was unterscheidet eine berechtigte Kritik an der israelischen Regierung von Antisemitismus? Was ist Rassismus, und wie definiert sich Muslimfeindlichkeit? Im Fokus steht hier auch das gemeinsame Behandeln der beiden Diskriminierungsformen Antisemitismus und Rassismus und das Begreifen, dass beides gleich schlimm ist, so wie jede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gleich zerstörerisch wirkt.

Was bleibt im Alltag?

Den inhaltlichen Abschluss des Workshops bildet eine Sequenz zum Thema digitale Hilfen und KI. Denn so wichtig das Verstehen und die verinnerlichten Kriterien zum Erkennen von Fake News sind, soll die Recherche natürlich alltagstauglich sein: Wir stellen Internetseiten wie Mimikama oder die Google-Rückwärtssuche vor, die hier innerhalb von Sekunden weiterhelfen können.

Der Workshop dauert fünf Schulstunden. Optimalerweise bleibt am Ende noch ein wenig Zeit zum Weiterdiskutieren, für weiterführende Fragen und Ideen sowie für das Thematisieren von Gefühlen.

Der Workshop wird im Rahmen des von der AKSB koordinierten und vom Bundesfamilienministerium geförderten Projekts „RespACT – Vielfalt leben. Haltung zeigen“ angeboten. Bei Interesse wenden Sie sich gerne direkt an Stefanie Jebram.