| Newsletter Aug/Sept 2025

Demokratie – pur, engagiert & gar nicht leise

Lebhafte Vernissage am heißen Sommerabend

Von Ilonka Czerny

Noch nie erlebte das Tagungszentrum Hohenheim eine lebendigere und lebhaftere Vernissage als am 23. Juni 2025. An diesem sehr heißen Sommerabend kamen zwar nicht sehr viele, aber dafür sehr engagierte Besucherinnen und Besucher zur Eröffnung der Ausstellung „On Democracy. Fotografien von ‚die arge lola‘ (Kai Loges und Andreas Langen)“.

„Die arge lola“ ist keine unbekannte Gruppierung in der Stuttgarter Kunst-, insbesondere der Fotoszene: Kai Loges und Andreas Langen arbeiten bereits seit 35 Jahren als Künstlerduo zusammen. In einem Interview, welches anlässlich der Ausstellung geführt wurde, erzählten sie, wie es zu diesem Gruppennamen, zur fachlichen und künstlerischen Zusammenarbeit kam und welche Kunstprojekte sie bisher verwirklichten. Darüber hinaus äußerten sie sich zur Rolle der Kunst innerhalb der Gesellschaft.

Jahresthema Kunst - Freiheit - Demokratie

Die Verfasserin betonte in ihrer Begrüßung, warum sich der Fachbereich Kunst an der Akademie für 2025 das Jahresthema: Kunst – Freiheit – Demokratie erwählte: „Mit dieser Ausstellung möchten wir ein Zeichen setzen: Wir wollen zum Mitmachen anregen, unsere Stimmen erheben und uns gemeinsam für eine lebendige, offene und gerechte Gesellschaft einsetzen. Denn Kunst und Demokratie sind untrennbar miteinander verbunden. Kunst braucht die Freiheit, sich auszudrücken, zu hinterfragen und zu inspirieren – und die Demokratie braucht die Kunst, um ihre Werte sichtbar zu machen und zu stärken.“

Kai Loges und Andreas Langen führten abwechselnd am Rednerpult aus, wie ihre Zusammenarbeit zustande kam und wie sie an ihre Themen fotografisch herangehen. Die Ursprünge der Fotoserie „On Democracy“ lagen so zu sagen auf dem Weg zum Arbeitsplatz von Andreas Langen. Im Vorbeigehen beim Bäcker „Franke“ las er um 2009 morgendlich die Überschriften einer Boulevard-Zeitung, in der oft grundsätzlich Politiker kritisiert, ja sogar beschimpft wurden. Dies wurde von Loges und Langen thematisiert und beide fragten sich, welche künstlerische Fotoarbeit passen würde, um zum Erhalt der Demokratie einen Beitrag leisten zu können. Dieser dem Publikum vorgetragene Bericht wirkte sehr authentisch, frisch und für die Anwesenden informativ und bereichernd.

Von Wahlurnen und Wahlkabinen

Nach einer fantastischen Interpretation der deutschen Nationalhymne und der Europahymne mit Hilfe verschiedener Musikinstrumente durch den Stuttgarter Performance-Künstler Thomas Putze, folgte eine indirekte Anfrage mit rhetorischen Fragestellungen an die Teilnehmenden durch die beiden Foto-Künstler Kai Loges und Andreas Langen: Haben Sie schon einmal mit dem Gedanken gespielt, selber in die Politik zu gehen? Wenn nein, warum nicht? Werden verbrauchte Stimmzettel zu ganz normalem Altpapier verarbeitet? Warum heißen die Sammelbehälter wie jene Gefäße, in denen die Asche von Verstorbenen beigesetzt wird? Warum sind Wahlkabinen grau? Würden Sie häufiger zur Wahl gehen, wenn die Stimmabgabe mit einem kleinen Dankeschön verbunden wäre, z.B. Kaffee und Kuchen?

‚Demokratisches Konzert‘ als Performance

Zum abschließenden musikalischen Programm-Punkt des offiziellen Teils, lud Thomas Putze die Besucher:innen ein, gemeinsam ein kleines ‚demokratisches Konzert‘ zu veranstalten. Jede Person durfte ein bereitliegendes Musikinstrument der Wahl ‚spielen‘, bzw. diesem Töne entlocken. Kaum zu glauben, aber wahr - die anfängliche Kakophonie mündete zunehmend in einen Gleichklang. Die Musikerinnen und Musiker bewegten sich in einer Art Prozession aus dem großen Saal heraus in das Foyer an den fotografischen Werken entlang: laufend, betrachtend, musizierend. Ein großartiges Erlebnis!

Marko Schacher, der Inhaber der gleichnamigen Galerie, der als Besucher anwesend gewesen ist, meinte in der Rückschau in einer E-Mail an die Verfasserin: „Ich fand die Vernissage ganz wunderbar. Auch deine emotionale Begrüßungsrede. Auch wenn diesmal nicht so viele Menschen da waren, waren zumindest alle interessiert und sind dann alle mit ihrem selbst ausgesuchten Instrument als Marching Band durch die Ausstellung gezogen. Als Laie in eine Tuba blasend die Exponate zu betrachten, war schon sehr ungewöhnlich - und wird mir im Kopf bleiben.“