| Newsletter Juni 2025

Anders als geplant

Spannungsfelder der Gesundheitlichen Versorgungsplanung

Von Thomas König

Die Gesundheitliche Versorgungsplanung ist wahrscheinlich nicht vielen Menschen ein Begriff. Es handelt sich um ein Angebot, das vollstationäre Pflegeeinrichtungen sowie bestimmte Einrichtungen der Eingliederungshilfe seit einigen Jahren anbieten können. Ziel ist es den Bewohner:innen Beratung im Hinblick auf pflegerische Maßnahmen, zu möglichen medizinischen Behandlungen und zu psychosozialer Unterstützung in Vorbereitung auf ihre letzte Lebensphase anzubieten. Speziell ausgebildete Berater:innen gehen auf die Bedürfnisse der Menschen ein und sprechen mit ihnen über ihre Versorgung und Betreuung bis zur letzten Lebensphase und im Sterbeprozess, mögliche Notfallsituationen werden thematisiert, ebenso wie geeignete Maßnahmen zur palliativen und psychosozialen Versorgung vorgestellt und besprochen werden. Zu einem Beratungsgespräch gehört ebenso das Angebot, über rechtliche Vorsorgeinstrumente (Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsvollmacht u.a.) aufzuklären.

So kann am Ende des Beratungsprozesses eine Patient:innenverfügung stehen oder ein individueller Notfallplan, es ist jedoch nicht zwingend. Die Teilnahme an einer Beratung zur gesundheitlichen Versorgungsplanung ist immer freiwillig. Die Grundlage dieser Möglichkeiten ist nachzulesen unter § 132g SGB V „Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase“.

Bereits zum fünften Mal trafen sich nun am 6. Mai Berater:innen gesundheitlicher Versorgungsplanung (GVP) in Caritas und Diakonie zu ihrem Plattformtreffen im Hospitalhof. Diese Treffen waren von Anfang an immer vorbereitet und gestaltet vom Diakonischen Werk Württemberg, Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart, dem Netzwerk ethische Fallbesprechung im Caritasverband Rottenburg-Stuttgart, Evangelischer Heimstiftung, Evangelischer Akademie Bad Boll und der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und sie finden einmal im Jahr statt.

 

Anders als geplant

Diesmal stand das Netzwerktreffen unter dem Titel „Anders als geplant –

Spannungsfelder der Gesundheitlichen Versorgungsplanung“ und drehte sich um Aspekte des professionellen Handelns der GVP-Gesprächsbegleiter:innen:

Was tun, wenn die Vorstellungen der begleiteten Personen eigenen Wertvorstellungen entgegenstehen? Wie kann begleitet werden, wenn es rechtlichen Vertretungspersonen schwer fällt den formulierten Willen umzusetzen? Welche Veränderungsprozesse gilt es anzustoßen, wenn das Vorausgeplante an organisationale Grenzen der Einlösung stößt? So ging es um die Erfahrungen, einerseits klientenzentriert Wünsche im Rahmen der Gesundheitlichen Versorgungsplanung aufzunehmen, anderseits deren Umsetzung im faktischen Organisationsrahmen begrenzt oder gar als unmöglich zu erleben. Wie GVP-Berater:innen dieses Dilemma erleben und wie sie mit dem oft daraus resultierenden Frust und moralischem Stress umgehen können, damit beschäftigten sich zwei Impulsreferate.

Über den persönlichen Umgang sprach Susanne Backaus, Leiterin der Landesstelle der psychologischen Beratungsstellen in der Evangelischen Landeskirchen Württemberg: „Mit Spannungen leben. Als Berater:innen Anforderungen und Belastungen gewachsen sein.“ Die organisatorischen bzw. organisationskulturellen Fragen nahm Dr. Joachim Reber vom Bereich Verbandsentwicklung, Caritastheologie und Ethik im Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart in den Blick: „Als Organisation mit Spannungen umgehen. Von der Möglichkeit, Änderungen anzustoßen und zu bewirken.“

Vier Spotlights zu Beginn und vier Arbeitsgruppen gegen Ende der Veranstaltung boten die Möglichkeit zum je eigenen praxisorientierten Austausch: Was tun in der Begleitung und im Gespräch, wenn eine Klientin ganz anders denkt als ich? Wie kann der Umgang mit Dritten gestaltet werden, wenn Angehörige oder gesetzliche Betreuer den Beratungsprozess zu durchkreuzen drohen? Welche Möglichkeiten gibt es, wenn Wünschen von Klient:innen mit der Realität der eigenen Einrichtung kollidieren? Oder Festlegungen bei externen Partner:innen unberücksichtigt bleiben, etwa während eines Notfalleinsatzes des Rettungsdienstes? Es konnten Eindrücke, Tipps und Vorgehensweisen zu all diesen Fragen ausgetauscht werden, die Teilnehmenden empfanden es auch dieses Mal als sehr hilfreich für ihre Arbeit. Die Reihe der Plattformtreffen für Gesprächsbegleitende in der Gesundheitlichen Versorgungsplanung wird im kommenden Jahr fortgesetzt.