Von Dr. Ilonka Czerny
Mit einer gut besuchten Vernissage wurde am Abend des 15. Juni im Tagungszentrum Hohenheim der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart die Ausstellung „Transformation in der Kunst“ eröffnet. Mehr als 50 Gäste waren der Einladung gefolgt und erlebten einen Abend, der das Ausstellungsthema nicht nur theoretisch beleuchtete, sondern auf vielfältige Weise sinnlich erfahrbar machte.
21 Künstlerinnen und Künstler beteiligen sich an der Ausstellung mit Werken, die sich auf sehr unterschiedliche Weise dem Begriff der Transformation nähern. Dabei zeigt sich schnell, dass das Thema keineswegs immer unmittelbar erkennbar ist. Gerade diese Offenheit lädt dazu ein, genauer hinzusehen und sich auf individuelle Deutungen einzulassen. Einen besonderen Mehrwert bietet die digitale Begleitung der Ausstellung: Über einen QR-Code können Besucherinnen und Besucher schriftliche Statements oder kurze Videobotschaften der Kunstschaffenden abrufen. Die unmittelbaren Erläuterungen eröffnen zusätzliche Perspektiven auf die Werke und geben Einblicke in die künstlerischen Denk- und Arbeitsprozesse. So entsteht ein Dialog zwischen Kunst, Künstlerinnen und Künstlern sowie Publikum, der über die reine Betrachtung hinausführt.
In die Ausstellung führte Werner Meyer ein, der die Kunsthalle Göppingen drei Jahrzehnte lang als Direktor geprägt hat. Er spannte den Bogen von den großen Transformationen der Kunstgeschichte bis in die Gegenwart und machte deutlich, dass Wandlungsprozesse seit Jahrhunderten zu den zentralen Themen künstlerischen Schaffens gehören. Kunst, so seine Überzeugung, ziele stets darauf, beim Rezipienten Veränderungen anzustoßen – im Denken, Wahrnehmen und Empfinden.
Mit der Ausstellung greift auch die Akademie dieses Motiv auf. Zwar verbindet alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler, dass sie bereits in früheren Jahren in der Akademie ausgestellt haben; dennoch richtet sich der Blick bewusst nach vorn. Transformation wird hier nicht als Rückschau verstanden, sondern als Impuls, Zukunft zu gestalten und neue Perspektiven zu eröffnen.
Für einen eindrucksvollen künstlerischen Akzent sorgte Bernd Settelmeyer mit seinen außergewöhnlichen Percussion-Darbietungen. Klang erzeugte er nicht nur auf einer Steel-Drum – einst ein gewöhnliches Ölfass –, sondern ebenso mit einem Metallstuhl und weiteren Alltagsgegenständen. Damit machte er Transformation unmittelbar hörbar: Gebrauchsgegenstände wurden zu Musikinstrumenten und erhielten einen völlig neuen Sinnzusammenhang. Den Höhepunkt bildete ein gemeinsames „Papier-Konzert“. Settelmeyer verteilte Papierblätter an das Publikum und lud dazu ein, durch Reißen, Knüllen und Bewegen gemeinsam einen vielschichtigen Klangraum entstehen zu lassen. Das scheinbar Alltägliche entfaltete dabei eine überraschende Ausdruckskraft und wurde selbst zum künstlerischen Medium.
Selbst der abschließende Imbiss fügte sich stimmig in das Gesamtkonzept ein. Schließlich ist auch Kochen ein Akt der Transformation, bei dem aus einzelnen Zutaten etwas qualitativ Neues entsteht. So wurde das Leitmotiv des Abends bis in den geselligen Ausklang konsequent weitergedacht.
Die Vernissage machte eindrucksvoll deutlich, dass Transformation weit mehr ist als ein kunsttheoretischer Begriff. Sie zeigt sich in Materialien, Klängen, Gedanken und Begegnungen – und nicht zuletzt im Blick der Betrachtenden selbst. Entsprechend einhellig fiel das Fazit der Gäste aus: Die Eröffnung der Ausstellung war ein ebenso inspirierender wie rundum gelungener Abend.




