Von Daniel Meier
Noch bis zum 22.2.2026 sind die Werke Josephine Sagnas im Tagungszentrum Hohenheim zu sehen. In ihrer Ausstellung „Who cares?“ zeigt die Stuttgarter Künstlerin Joséphine Sagna ein Best-of ihrer Arbeiten der letzten vier Jahre – und lässt dabei Fragen von Identität, Diversität und Selbstermächtigung auf intensive Weise aufleben. Sagna, 1989 in Stuttgart geboren, in Ulm aufgewachsen und heute in Südfrankreich lebend, ist Tochter eines Senegalesen und einer Siebenbürger Sächsin. In ihren farbstarken Gemälden verarbeitet sie Erfahrungen zwischen Kulturen und thematisiert insbesondere die Position der schwarzen Frau in einer überwiegend weißen Mehrheitsgesellschaft, erläuterte Galerist Marko Schacher im Rahmen der Vernissage. Dabei gehe es Sagna nicht um moralische Zeigefinger, sondern um die Sichtbarmachung einer Lebensfreude und „Frauen-Power“, die sich jenseits gängiger Schönheitsideale und gesellschaftlicher Klischees entfaltet.
Die Figuren in Sagnas Arbeiten beziehen Inspiration aus Medien, Literatur, Musik und dem eigenen Spiegelbild. Sie stehen selbstbewusst westlichen Schönheitsidealen gegenüber, inszenieren sich selbst und werden unterstützt von gesellschaftskritischen Parolen und Graffiti-Elementen. Die Ausstellung zeigt die Bandbreite ihres Schaffens: Von „watch our backs“ (2022), dem ältesten Werk, über das abstrakte „hide when needed“ bis hin zu „won’t back down“, das durch ausgeschnittene Köpfe und Vorzeichnungen eine zweite Ebene erhält. Mit pastosen Linien, herunterlaufenden Acrylfarben und spontaner Tusche- und Spraytechnik knüpft Sagna an die Tradition der figürlichen Malerei an, erweitert diese jedoch um gegenstandslose Formkürzel und Schichtungen, die Vorder- und Hintergrund, Haupt- und Nebenmotiv auflösen und den Blick quasi in die Seele der Figuren freigeben.
Premierenwerke wie die beiden Gemälde „in good company“ oder „not half, double“ zeigen neue, comicartigere Stile, während die jüngsten Arbeiten „tears“ und „cry them“ nach der Geburt ihres zweiten Kindes entstanden sind und die Ambivalenz von Traurigkeit und Wut thematisieren. Mit grellen Farben und einer rotzigen Street-Art-Attitüde werden Emotionen zu einer kraftvollen Kampfansage für eine gerechtere Welt. Die Ausstellung endet mit „warm warm water“, auf dem ein subtil eingebettetes „SORRY“ Fragen nach Schuld und Verzeihung aufwirft – ob von der Künstlerin an ihr Werk oder umgekehrt, bleibt offen.
Die Ausstellungsstücke erzeugen im Tagungszentrum vielfältige Dialoge und Assoziationen: So begegnen Besucherinnen und Besucher zu Beginn dem Gemälde „Courage“, das sie zu Mut und Achtsamkeit auffordert. Erste Reaktionen auf den Aufbau waren durchweg positiv, wie Kommentare wie „Wow, mal richtig bunte Kunst“ oder Lob für die „coolen Farben“ zeigen. Die Ausstellung macht deutlich: Kunst kann die Welt nicht nur bunter, sondern auch sensibler für Themen wie Alltagsrassismus, Diversität und gesellschaftliche Verantwortung machen.
Die Präsentation der Werke Sagnas war zugleich Teil der Tagung über „Kirche und Kolonialismus. Historische, theologische und politische Perspektiven“.




