Von Dr. Ilonka Czerny
Einfach war die Umsiedlung der vielfältigen und sehr individuellen Bilder nach Hohenheim nicht: die schlauchartigen Ausstellungsflure dort mit ihrer auch noch unterschiedlichen Wandbeschaffenheit sind mit den lichten, hohen, großzügigen Flächen im barocken Ex-Kloster Weingarten nicht zu vergleichen. In Stuttgart war die Hängung der 64 eingesandten Arbeiten eine größere Herausforderung. Es sollten, wenn möglich, alle Bilder in „ansehnlicher“ Größe präsentiert werden und dafür genügend Raum um sich haben. Dies ist gelungen, auch wenn die Werke teilweise in zwei Reihen angeordnet werden mussten. Wie in Weingarten haben wir auch in Hohenheim die Fotos nach Motiven geordnet, was der Gesamtpräsentation eine klare Struktur verleiht.
Zu ihren Fotografien konnten die Teilnehmer:innen auch kurze Texte einreichen und begründen, warum ihnen der abgelichtete Ort wichtig ist, warum sie ausgerechnet dort sterben wollten, wenn sie es sich aussuchen könnten. Durch diese Begründungszusammenhänge wurde beispielsweise ein zunächst banal anmutender Sonnenuntergang zu einem mit persönlicher Bedeutung aufgeladenen, ganz individuellen Wunsch-Sterbe-Ort. Die dazugehörigen Texte liegen im Tagungszentrum aus und helfen, die Motive sowie die Geschichte ihrer Auswahl besser zu verstehen.
Natürlich kommen auch die Urheber und Urheberinnen der Fotografien in die Ausstellung, um zu schauen, in welchem Kontext ihre Werke hängen und welche weiteren Motive eingereicht wurden. Aber auch andere Besucher:innen machen sich Gedanken zu den abgelichteten Orten, ziehen Vergleiche oder haben ihre eigenen Bilder im Kopf, die sie untereinander zu Gehör bringen. „Wo würde ich am liebsten sterben, wenn ich es mir aussuchen könnte?“ lautete ja die Frage – und die Ausstellung bietet intensives Diskussionspotential, weil sie berührt, bewegt und zum Reflektieren anregt.
In Hohenheim ist die Ausstellung nun bis zum 8. Januar 2025 zu sehen. Aber schon nach dem Besucher-Erfolg in Weingarten haben sich weitere Institutionen gemeldet, die diese Sammlung in ihren eigenen Räumen zeigen möchten. „Schöner Sterben“ geht weiter …


