Die Zeit des Sommers ist immer auch eine Zeit der Musik und der Konzerte – vom großen Festival auf der Bregenzer Seebühne bis zur Schubertiade am Mühlbach im Rahmen des Hohenloher Kultursommers. Auch die Kirchen sind stets gefragte Aufführungsorte und in Schwäbisch-Gmünd widmet sich das Festival Europäische Kirchenmusik auch in diesem Jahr wieder den vielfältigen Beziehungen von Religion, Kirche und Musik. Die Akademie ist mit dabei, wenn Akademie-Musiker Detlef Dörner und der Musikwissenschaftler Meinolf Büser am 25.7. dem Geheimnis von Bachs „Musik der Fuge“ nachgehen. Um „Menschlichkeit, Demut und Metamusik“ soll es dabei gehen.
Immer wieder spielt die wunderbare Musik des Thomaskantors ja auch jene Menschen an, deren es in ihrem Leben mit der Kirche und dem Glauben nicht leicht gemacht worden ist. Einer von ihnen ist der großartige niederländische Erzähler Maarten t Hart. Aufgewachsen in der teils bizarren Welt eines strengen Calvinismus hadert er bis heute mit seiner religiösen Sozialisation. Mit einer zentralen Ausnahme und die heißt: Bach. Und so denkt Maarten ’t Hart in den letzten Zeilen seines Romans „Magdalena“ (2015) über den eigenen Tod nach und schreibt: „Weiterleben muss nicht sein, in welcher Form auch immer. Wie wunderbar ist es doch geregelt, dass man sich in den hervorragenden Zustand zurückversetzt, in dem man war, bevor man lebte. Auch wenn es unbefriedigend ist, nie zu erfahren, wozu es in Gottes Namen gut war, diesen vollkommenen Zustand des Nichtseins für so etwas zeitlich Befristetes und Heikles wie das Dasein zu unterbrechen. Aber ab und zu das Grab für ein paar Minuten zu verlassen, um Bach zu hören, das würde mir schon gefallen. Ich denke, die Matthäuspassion wäre zu viel verlangt, das Air aus der Dritten Suite reicht.“
Und so hört sie sich bei der niederländischen Bachgesellschaft an.
Ich wünsche Ihnen einen musikalisch berührenden Sommer!
Daniel Meier