Der Winter ist nun endgültig vorbei. Die Wintersportfreunde von Ihnen können sich vielleicht noch an das beschwingte Gefühl erinnern, wenn der Loipenbericht über den Schwarzwald oder der Liftbetreiber für die Schwäbische Alb über frisch gefallenen Schnee informierten – leider war in den zurückliegenden Wintern immer seltener vom Neuschnee die Rede.
Einen schönen Text über das vergebliche Hoffen auf den ganz persönlichen, unberührten Neuschnee im Leben hat einmal Kurt Tucholsky geschrieben. „Wenn du aufwärts gehst und Dich hochaufatmend umsiehst, du, ganz allein – dann entdeckst du immer Spuren im Schnee. Es ist schon einer vor dir dagewesen. Wenn du aufwärts gehst und dich hochaufatmend umsiehst, was du doch für ein Kerl bist, der solche Höhen erklimmen kann, du, ganz allein, dann entdeckst du immer Spuren im Schnee. Es ist schon einer vor dir dagewesen. Glaube an Gott. Verzweifle an ihm. (...) Stürze dich in die Welt. Zieh dich von ihr zurück. Und alle diese Lebensgefühle hat schon einer vor dir gehabt. (...) Es ist immer schon einer dagewesen. Das ändert nichts. Du erlebst es ja zum ersten Mal. Für dich ist es Neuschnee, der da liegt. (...) Aber es gibt keinen Neuschnee. Das darf dich nicht entmutigen. Klettere, steige, steige.“
Auch in der Welt der Wissenschaft frage ich mich manchmal: Ist das wirklich Neuschnee oder hat bereits jemand anders die Spitze dieser Erkenntnis erklommen? Gab es da nicht bereits in der Vergangenheit schon einmal eine ähnliche Theorie unter anderem Namen? Frei nach dem Prediger Salomo: Es gibt nichts Neues und damit keinen im Licht der Erkenntnis funkelnden Neuschnee unter der Sonne?
Das mag sein, aber zumindest können oft neue Wege gefunden werden, auf denen geklettert und gestiegen wird. Und die bieten dann neue Perspektiven auf eine mitunter bekannte Landschaft. In diesem Sinne: Klettern und steigen Sie tapfer und lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn vor Ihnen schon jemand da war, wo auch immer.