die Klage über die Dominanz schlechter Nachrichten in der Zeitung ist fast so alt wie die Zeitung selbst. Und es waren Theologen, die in der Frühzeit des Mediums Tageszeitung monierten, Journalisten würden ein zu negatives Bild der Schöpfung zeichnen – worauf einer der ersten Zeitungstheoretiker, Kasper Stieler, im 17. Jahrhundert konterte: „Aber was können die Zeitungen dazu? Die Heilige Schrift ist ja voll von Exempeln der Blutschande, des Ehebruchs, des Diebstahls, ja ganzer Kriminalgeschichten." Und vielleicht reagieren wir deshalb manchmal so allergisch auf die Weltbilder im Journalismus, weil wir uns selbst wiedergespiegelt sehen, mit unserer allzu menschlichen Faszination des Negativen. Schließlich sind die Selektionskriterien der Medienschaffenden oft allgemein menschliche Wahrnehmungskriterien. Da interessiert das Ungewöhnliche auch im persönlichen Miteinander mehr als das Erwartbare und der Konflikt bietet mehr Gesprächsstoff als der Konsens.
Doch Gott sei Dank hat die Kommunikationswissenschaft mittlerweile empirisch bestätigt, dass es sehr wohl einen journalistischen Nachrichtenwert namens Positivität gibt. Andere Forscher benennen ihn den Faktor der positiven Wirksamkeit, des Erfolges, des vorbildlichen Handelns, theologisch gesprochen, der Welt, wie sie eben auch von Gott geschaffen wurde. Und so gibt es mittlerweile Zeitungen, die eine regelmäßige Rubrik im Sinne der guten Nachricht bieten. So wird dem Leser bzw. der Leserin unter www.zeit.de/gute-nachrichten versprochen: „Hier finden Sie ausschließlich erfreuliche Meldungen und inspirierende Texte.“ Da wird z.B. ein Astronaut mit Beinprothese porträtiert, über den Rückgang der Inflation berichtet oder die gestiegene Akzeptanz der Organspende thematisiert. Lässt sich auch als Newsletter abonnieren.
Auf gute Nachrichten!