03.08.2020, 15:00 Uhr – 06.08.2020, 13:00 Uhr, Weingarten
Philosophische Sommerwoche

Objektivität, Realität und Endlichkeit

Von der Philosophie der Essenz zur Philosophie der Existenz

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einem großen Umbruch in der Philosophie: Nicht mehr die Essenz, das Wesen der Dinge, sondern die endliche Existenz des Menschen rückte ins Zentrum des philosophischen Denkens. Wichtig wurden aber auch Sprache, Symbolformen und das Heilige als ‚absoluter Wert'. Dem folgten ‚katholische Denker' wie Romano Guardini, Edith Stein oder Josef Pieper, die sich an der ‚Objektivität' und am ‚Realismus' orientierten.

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Prof. Dr. Regine Kather, Philosophisches Seminar Universität Freiburg: Der Aufbau der Natur und das Netz des Lebens. Die Prozessphilosophie von Alfred N.Whitehead (Vortrag, download)

Prof. Dr. Regine Kather, Philosophisches Seminar Universität Freiburg:Der Mensch – Einheit in der Vielfalt von Ausdrucksweisen. Zur Philosophie von Max Scheler (1874-1928) (Vorrag, download)

Von der Essenz zur Existenz

Die letzte Philosophische Sommerwoche unter Leitung von Dr. Klaus Hälbig thematisiert die Philosophie des 20. Jahrhunderts. Geboten wird auch ein Konzert in der Basilika am Montag, 3. August.

Zur Meldung

Die gegenwärtige Zivilisationskrise erzeugt viele Ängste. Das war nach dem Großen Krieg (und der Grippe-Pandemie 1918–20)
ähnlich. In der Philosophie kam es zu einer Radikalisierung der Vernunftkritik, aber auch zu einer weitreichenden Ausdifferenzierung von Themen und Schulen. Psychologie und Soziologie wurden zu eigenständigen Disziplinen und spalteten sich von der Philosophie ab. Dafür entwickelt sich eine eigene philosophische Anthropologie, die den Menschen direkt thematisiert.
Weltweite Wirkung hatte die von Edmund Husserl begründete
Phänomenologie, die nach dem Wesen der realen Erscheinungen fragte und die ontologische Objekt-Subjekt-Spaltung zu überwinden suchte. Edith Stein, Assistentin bei Husserl, erstrebte eine Synthese der Phänomenologie und der Seinslehre des Thomas von Aquin. Martin Heidegger, Nachfolger auf dem Lehrstuhl Husserls in
Freiburg, entwickelte hingegen eine eigene Existentialontologie, wo ganz neu nach dem ‚Sinn von Sein’ gefragt wird, und unterzog die
traditionelle Substanzontologie einer grundsätzlichen Kritik. Die von Karl Jaspers begründete Philosophie der endlichen Existenz ging im Anschluss an Sören Kierkegaards Existenzanalysen von negativen Grunderfahrungen aus, um zu zeigen, wie „im Scheitern das Sein“ erfahren werden kann.
Eine umfassende Kulturkritik und -philosophie entwickelte Ernst Cassirer mit seinem Hauptwerk „Philosophie der symbolischen Formen“ (1923–1929), das den Menschen als animal symbolicum versteht. Alfred North Whitehead übte Kritik an der mechanischen Auffassung der Natur und dem cartesianischen Dualismus von Geist und Materie und entwickelte einen eigenen naturphilosophischen Ansatz. Einen eigenen Ansatz zur Deutung des Lebendig-Konkreten versuchte auch Romano Guardini mit seiner Gegensatzlehre,
während Josef Pieper die Lehre des Thomas von Aquin neu
vergegenwärtigte. Herzliche Einladung zur Philosophischen
Sommerwoche 2020, der letzten in dieser Form.