05.10.2016, 13:00 Uhr - 06.10.2016, 18:00 Uhr, Stuttgart-Hohenheim
Veranstaltungen für ExpertInnen

Ist Gender eine Ideologie?

Zur Debatte um die Deutung der Geschlechtlichkeit
Die Genderdebatte nimmt seit den 90er Jahren in der Wissenschaft, aber auch im öffentlichen Raum an Bedeutung zu. Kontrovers ist das öffentliche Gespräch darüber und noch kontroverser wird es in der katholischen Theologie und in der Kirche geführt. Papst Franziskus spricht in seinem Apostolischen
Schreiben "Amoris laetitia" (2016) von einer Gender-"Ideologie". Die Tagung will an ausgewählten theologischen und lehramtlichen Diskussionsfeldern zur Klärung beitragen.
In Zusammenarbeit mit Agenda Forum katholischer Theologinnen e.V., KDFB und der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg


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Der „Gender Trouble“ als „Zeichen unserer Zeit“

Die Tagung zur Debatte um die Deutung der Geschlechtlichkeit vom 5.-6. Oktober im Tagungshaus Hohenheim stand unter dem Titel „Ist Gender eine Ideologie?“. Die Referierenden gingen dieser Frage in interdisziplinärer, interkultureller und internationaler Perspektive nach.

Zur Meldung

Die Genderdebatte und die Genderforschung nehmen seit den 90er Jahren in der Wissenschaft und in der Öffentlichkeit einen zunehmend breiten Raum ein. Frauen in Führungsetagen und Männer in Elternzeit zeigen, dass Rollenzuschreibungen pragmatisiert und offener geworden sind. Die anhaltende Kontroverse um das Thema „Sexuelle Vielfalt“ im Bildungsplan Baden-Württemberg macht aber auch deutlich, dass nicht nur Kirchen, sondern Teile der Bevölkerung sich hier in einer hochemotionalisierten Wertedebatte engagieren.

In der katholischen Kirche demonstrierte die Umfrage von Papst Franziskus und auch das anschließende Schreiben „Amoris Laetitia“, dass in der Frage der Geschlechterdebatte und Rollenverteilung gesellschaftlicher und kirchlicher Diskurs mehrheitlich scharf aufeinander prallen. Zu schillernd und heterogen erscheinen die Konnotationen und Definitionen um Geschlechtergerechtigkeit, Doing-Gender, Gendermainstreaming, QUEER etc.; mit der Folge, dass in der katholischen Kirche mit Skepsis oder offener Ablehnung auf dieses Thema reagiert wird. Dabei bleibt unklar, welche Fachinformationen innerkirchlich tatsächlich zur Kenntnis genommen wurden. Ist der Einspruch und seine Prämissen transparent und begründet, zeigen sich sogar Aspekte dieses Diskurses, die anschlussfähig an das christliche Verständnis von der Einmaligkeit des Menschen wären?
Wo liegen die hermeneutischen Ressentiments in der katholischen Lehre und Theologie? Was ist infolgedessen Ideologie, was einseitige Rezeption und wo ist aufgrund unseres christlichen Menschenbildes tatsächlich Kritik und Widerspruch angebracht?

Die Tagung möchte bewusst nicht die breite Debatte zur Genderthematik abbilden, sondern große Linien an ausgewählten theologischen und lehramtlichen Diskussionsfeldern herausarbeiten, an denen deutlich werden kann, wo Chancen, Risiken oder auch Kritik angesagt sind. Immer wieder werden wir hierfür auf die Familiensynode 2015 und das Synodalschreiben „Amoris Laetitia" zurückgreifen sowie die eigentliche berufliche Tätigkeit in Arbeitsgruppen als Anwendungsfeld in den Blick nehmen.