22.03.2017, 12:00 Uhr - 25.03.2017, 13:00 Uhr, Weingarten
3. Internationale AGFEM Tagung

Reformen geistlicher Frauengemeinschaften im Mittelalter

Reformdiskurse haben nicht nur aktuelle Relevanz, sondern sind auch untrennbar verbunden mit der Geschichte des Ordenswesens. Die Tagung will Reformprozesse in Frauengemeinschaften - regulierten wie unregulierten, klösterlichen wie stiftischen - interdisziplinär und für das gesamte Mittelalter vergleichend untersuchen.
In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis geistliche Frauen im europäischen Mittelalter (AGFEM)

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Reformen und monastische Lebensweisen sind untrennbar miteinander verbunden. Die mediävistische Kloster- und Ordensgeschichtsschreibung hat dies seit langem betont und in ihren Narrativen über Reform unterschiedliche Gesichtspunkte in den Vordergrund gerückt: Lange Zeit dominierten Beschreibungen von Aufbruch und Krise oder Verfall und Erneuerung – Topoi, die sich der Sprache der mittelalterlichen Reformer verdankten. Die kritische Auseinandersetzung mit diesen Perspektivierungen von Reform hat der wissenschaftlichen Beschäftigung mit monastischen Reformphänomenen in den letzten Jahren eine neue Konjunktur beschert, die sich in einer Fülle von Studien zu einzelnen reformierten Institutionen oder übergreifenden Reforminitiativen niedergeschlagen hat. Dabei standen jedoch – insbesondere im Zuge der Erforschung der großen Reformbewegungen des hohen und späten Mittelalters – vornehmlich männliche Gemeinschaften im Fokus. Geistliche Frauen im Kontext von Reformen sind hingegen noch nicht systematisch behandelt worden.

Das Anliegen der Tagung ist es, die wissenschaftliche Erschließung von Reformen weiblicher Religiosität des 12. bis 15. Jahrhunderts weiter voranzutreiben, aus den bisherigen Forschungsergebnissen Bilanz zu ziehen und von diesem Punkt aus konzeptionell neue und interdisziplinäre Herangehensweisen für innovative Perspektiven auf das Thema zu diskutieren. Die verschiedenen Versuche und Durchführungen von Reform müssen auf die allgemeinen Debatten um Reformen des Mittelalters bezogen werden: Erst verortet im Spannungsfeld zwischen den Polen von Rückführung und Erneuerung gewinnt das Spezifische der Reform im Kontext weiblicher Kommunitäten an Kontur. Welche Konzepte von Reform lassen sich identifizieren? Aus welchem Blickwinkel wird über die Frauen oder von den Frauen geschrieben – zeitgenössisch wie modern? Welche Bereiche des gemeinsamen Lebens sind von Reformbemühungen betroffen und wie verhält sich Reform zu Institutionalisierung und Institutionalisierungsversuchen?

Die internationale Tagung wird vom Arbeitskreis geistliche Frauen im europäischen Mittelalter (AGFEM) organisiert und findet vom 22.–25. März 2017 im ehemaligen Benediktinerkloster Weingarten statt. AGFEM besteht aus einem informellen Verbund von Fachleuten aus universitärer Wissenschaft und Archivwesen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Forschung zu den vielfältigen Ausprägungen weiblicher religiöser Lebensformen im Mittelalter interdisziplinär und auf internationaler Ebene zu vernetzen. Auf den regelmäßig stattfindenden kleineren Workshops und den großen internationalen Tagungen wird Wert darauf gelegt, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern mit etablierten Forscherinnen und Forschern zu geistlichen Frauen ins Gespräch zu bringen.

Die Sakristanin. Universitätsbibliothek Leipzig, MS 1548, fol. 34v.

Kontakt

Dr. Petra Steymans-Kurz

Fachbereichsleiterin

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