Zwischen Vorverurteilung und Naivität

Dr. Hussein Hamdan, der Leiter unseres Fachbereichs "Muslime in Deutschland - Gesellschaft gemeinsam gestalten" berichtet im Deutschlandfunk über seine Erfahrungen in der Islamberatung.

Die Sendung „Hintergrund“ des Deutschlandfunks suchte in einem Beitrag nach dem geeigneten Umgang mit Islamismus-Vorwürfen gegen MuslimInnen – einem Umgang, der Vorverurteilungen vermeidet und zugleich nicht naiv ist. Denn immer wieder werden MuslimInnen nur aufgrund von Kontakten einer islamistischen Haltung beschuldigt. Der entsprechende Ruf haftet den Betroffenen lange an, führt oft zum Rückzug der im Dialog Engagierten und lässt Berührungsängste wachsen. Die erhobenen Vorwürfe zu klären, ist deshalb genau so wichtig wie schwierig. DLF-Korrespondentin Luise Sammann fragte daher Dr. Hussein Hamdan, den Leiter des Akademie-Fachbereichs Muslime in Deutschland, der auch als Islamberatertätig ist, nach seinen Erfahrungen aus dem kommunalen Bereich und nach Lösungsmöglichkeiten.

Hamdan beobachtet eine Verunsicherung bei vielen Kommunen, die in den Beratungen um Einschätzungen zu den muslimischen Gruppen vor Ort und zur Zusammenarbeit mit ihnen bitten. Das liege auch daran, dass die MuslimInnen in Deutschland in den letzten Jahren durch den Zuzug vieler Geflüchteter vielfältiger geworden seien. Im Zweifel sei man in den Kommunen daher kritischer gegenüber muslimischen Gruppen, auch um möglicher Aufregung vorzubeugen. Dies führe dazu, dass sich besonders die aufgeschlossenen MuslimInnen nicht selten aus dem Dialog zurückzögen. Kommt es zu Islamismus-Vorwürfen, empfiehlt Hamdan, sich nicht ausschließlich auf allgemeine Einordnungen zu verlassen, sondern sich näher mit den Gemeinden und Menschen vor Ort sowie ihren Aussagen und Handlungen zu befassen. Einzelnen Imamen, die sich in der Vergangenheit immer wieder als konstruktive und aufgeschlossene Kooperationspartner gezeigt hätten, dürfe der Dialog nicht verwehrt werden.

Diese Haltung hat für Hamdan zugleich aber auch Grenzen und so schließt er das Gespräch mit salafistischen oder gar gewaltbereiten Gruppierungen eindeutig aus. Er warnt jedoch auch davor, zu viele Gemeinden in Mithaftung zu nehmen, wenn neuerdings vermehrt von der Gefahr des legalistischen Islamismus die Rede ist.

Zum DLF-Beitrag gelangen Sie hier.

Dr. Hussein Hamdan