Zusammenhalt und Gottvertrauen

Der Unternehmer Thomas Pilz hat in unserer Online-Gesprächsreihe über einen erpresserischen Hackerangriff berichtet, wie er damit umgegangen ist und was man daraus lernen kann.

Wie ein erpresserischer Hacker-Angriff ein weltweit agierendes Familienunternehmen an den Rand bringen kann – darüber hat Thomas Pilz, der Geschäftsführer der Pilz GmbH und Co KG aus Ostfildern anschaulich und lebhaft online berichtet bei unserem zweiten After-Work-Gespräch über Wirtschaft im Wandel. Pilz stellte sich den Fragen von Stefanie Oeben,  die beim Bischöflichen Ordinariat den Fachbereich Führungskräfte leitet und die Gesprächsreihe gemeinsam mit der Akademie verantwortet. Pilz leitet gemeinsam mit seiner Schwester Susanne Kunschert in dritter Generation das Unternehmen, das als Technologieführer in der sicheren Automatisierungstechnik gilt. Mit rund 2500 Mitarbeitenden und Niederlassungen auf allen Kontinenten.

Noch immer ermitteln Behördern international

Wie schnell die Reputation auch eines solch renommierten Unternehmens in Gefahr geraten konnte, erlebte Pilz im Jahr 2019, als das Unternehmen an einem Wochenende gehackt wurde und es damit von einer Minute auf die andere handlungsunfähig wurde. Pilz schilderte nicht nur sehr anschaulich das Chaos und die wirtschaftliche Not, in die diese modernen Erpresser  Unternehmen bringen können, sondern er zeigte sich auch fest davon überzeugt, dass ein offener Umgang damit notwendig ist, um sich und andere vor solch verbrecherischen Angriffen schützen zu können. Fünf Wochen war das Unternehmen komplett lahmgelegt, weder Computer noch Telefon noch Internet funktionierten. Doch der Forderung der Hacker, zu zahlen, andernfalls würden sämtliche Firmendaten veröffentlicht, habe er nicht nachgegeben, schilderte Pilz die dramatischen Tage. Dass das Finanzamt genau zu dieser Zeit wegen einer routinemäßigen Betriebsprüfung vor den Türen stand, habe die Sache zusätzlich verschärft. Noch immer weiß Pilz nicht, wer hinter dem Angriff auf sein Unternehmen steckt, doch die Ermittlungen der Behörden gehen von einem internationalen Zusammenhang aus. Ohne die Solidarität und Loyalität seiner Mitarbeitenden hätte das Unternehmen diese „zweite Vollkatastrophe nicht überstanden“ zeigte sich Pilz überzeugt. 1975 verunglückte sein Vater, der das Unternehmen damals leitete, tödlich und seine Mutter musste das Familienunternehmen aus dem Stand übernehmen. Sie leitete es bis zur Übergabe an ihre beiden Kinder 2018 erfolgreich.

Die Erfahrungen von damals und ein festes christliches Fundament, auf dem die Familie bis heute steht, geben Pilz deshalb die Zuversicht, nach dem Hackerangriff auch die Corona-Krise zu überstehen. Dass Baden-Württemberg jetzt eine Cyber-Sicherheitsagentur fürs Land gründen will, begrüßt Pilz, auch wenn sie führ ihn zu spät kommt. „Für die Politik ist Baden-Württemberg damit früh dran, im Vergleich zu den Verbrechern aber hinkt die Politik weit hinterher“ meint er lakonisch. Auf jeden Fall sei es ein überfälliger Schritt, denn aktuell hätten die Hacker Hochkonjunktur durch Homeoffice. Sicherheitslücken würden derzeit x-fach ausgenützt.

Überzeugter Christ, aktiver Katholik

Pilz hat etliche Jahre in den USA gelebt und die Frage, ob Stuttgart durch den Umstrukturierungsprozess in der Automobilindustrie ein Schicksal wie Detroit erlebe, macht ihn nachdenklich. „Detroit geht es nicht gut, die Firmen sind abgewandert und die Stadt hat sich davon nicht erholt“, gibt er zu bedenken. „Die Corona-Krise hat den Strukturwandel hierzulande im Zeitraffer-Tempo vorangetrieben“. Die Politik müsse deshalb jetzt Anreize für neue Technologien setzen. Pilz hat weniger Sorge, was den Entwicklungsbereich angeht: „Wir müssen nicht ins Silicon Valley rennen“, meint er, „Wir haben gute Ingenieure. Aber wir brauchen Mittel für eine europäische Cloud. Da sind wir hintendran“.
Deshalb investiere sein Unternehmen 20 Prozent des Geldes in die Forschung. Pilz ist überzeugt davon, dass dies notwendig ist, weil die Entwicklungen immer schneller würden. Vor allem aber investiere er in seine Mitarbeiter. „Wir nehmen unsere Mitarbeiter in die Verantwortung. Sie müssen auch entscheiden“, beschreibt Pilz seine Unternehmensphilosophie. Für eine gute Stimmung im Betrieb zu sorgen, gesteht der Unternehmer, ist freilich auch schiere Notwendigkeit: „Ich habe das Pech im Schatten von großen und namhaften Unternehmen zu stehen: Ob Bosch, Daimler oder Festo – sie alle brauchen Leute mit der gleichen Qualifikation“.

Nachhaltigkeit ist dem Unternehmen deshalb ein Anliegen; „im Grund unseres Herzens sind wir etwas Grün“ bekennt Pilz und nennt als Beispiele dafür die Geothermieanlage des Betriebs, die Solaranlage sowie die sorgfältige Auswahl der Werkstoffe. Und auch für die Frauen legt sich Pilz ins Zeug – übrigens nicht nur in seinem Unternehmen, sondern auch in der Kirche. Pilz ist nicht nur bekennender Christ, sondern auch aktiver Katholik – im Kirchengemeinderat von Sankt Konrad. Er macht sich deshalb nicht nur für Frauen in Führungspositionen stark, sondern auch für Frauen in Weiheämtern der Kirche.

Vorschau:

Wir setzen unsere After Work-Gesprächsreihe zur Wirtschaft im Wandel am Mittwoch, 3. März, um 18 Uhr fort. Dann wird Karin Sonnenmoser unser Gast sein. Sie ist Finanzvorständin beim börsennotierten Unternehmen Ceconemy, das die Handelsketten Saturn und Mediamarkt betreibt. Sie berichtet uns, was sie in führender Position beim VW-Konzern gelernt hat, was ein zweimaliger Lockdown für ein Unternehmen mit mehr als 50 000 Mitarbeitern bedeutet, und was sie von den Plänen der Bundesregierung hält, eine Frauenquote für die Vorstände großer Unternehmen vorzuschreiben.   

(Barbara Thurner-Fromm)

 

Thomas Pilz leitet gemeinsam mit seiner Schwester Susanne Kunschert das Familienunternehmen mit 2500 Mitarbeitenden.

Stefanie Oeben moderierte das Online-Gespräch mit Thomas Pilz.