Auf der Suche nach neuen Wegen

Die internationale Zusammenarbeit verändert sich rasant. Das muss auch zu Reformen der internationalen Entwicklungspolitik führen - so der Tenor einer Tagung in Weingarten.

Unter veränderten weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Konstellationen stellt sich für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die Frage, ob sie in ihrer bisherigen Form noch zeitgemäß ist. „Reform an Kopf und Gliedern tut Not“, forderte Professor Dr. Günther Maihold von der Stiftung Wissenschaft und Politik auf der diesjährigen Tagung der Reihe „Entwicklungszusammenarbeit im 21. Jahrhundert“, die von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der Hochschule Esslingen und der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg veranstaltet wurde. Mehr als 70 Personen aus Politik, Wissenschaft, Nichtregierungsorganisationen, entwicklungspolitisch Engagierte und Interessierte diskutierten vom 3. bis 5. Mai 2018 im Tagungshaus Weingarten über die „Entwicklungszusammenarbeit der Zukunft“.

Deutsche und internationale Politik ungenügend abgestimmt

Die Notwendigkeit von Reformen war eine durchgängige Forderung. So verwies Dr. Michael Krempin von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit auf Beispiele aus China, Saudi-Arabien und Brasilien mit der Frage, was von Anderen gelernt werden kann. Privatdozent Dr. Rolf Steltemeier vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung forderte grundsätzliche Reformen der europäischen Entwicklungspolitik, um deren Prägung durch die Kolonialgeschichte von EU-Mitgliedsstaaten zu überwinden. Dass die Ziele für nachhaltige Entwicklung nur erreicht werden können, wenn auch Veränderungen in Deutschland stattfinden, ist eine Grundvoraussetzung. Eine besondere Rolle kommt dabei der politischen Bildung zu, welche stärker Differenzerfahrungen und Zielkonflikte zum Ausgangspunkt machen sollte, sagte Dr. Karl Weber von der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke in der Bundesrepublik Deutschland. Zudem bedürfe es größerer Kongruenz zwischen nationaler und internationaler Politik, deutscher Innen- und Außenpolitik, damit Menschenrechtsarbeit und nachhaltige Entwicklung nicht nur eine Frage internationalen Engagements bleiben.

Ist Entwicklungszusammenarbeit somit überhaupt noch zeitgemäß? Zusammenarbeit müsse weiterhin ein Thema und eine Verantwortung bleiben, aber als Internationale Zusammenarbeit und nicht notwendigerweise als Entwicklungszusammenarbeit, lautete darauf die Antwort eines Workshops. Für die Tagungsleitung stellt sich nun die ganz konkrete Aufgabe, inwieweit der Reihentitel „Entwicklungszusammenarbeit im 21. Jahrhundert“ noch zeitgemäß ist.

(Dr. Heike Wagner)

Tagungsteilnehmer beim aufmerksamen Zuhören


Privatdozent Rolf Steltemeier vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit bei seinem Vortrag