Fürsprecher für die Menschlichkeit

Die Akademie trauert um Rainer Schmid, der sich seit Jahrzehnten unermüdlich und mit großer Leidenschaft für ein fortschrittliches und humanes Migrationsrecht eingesetzt hat.

Von Konstanze Jüngling

Die Akademie trauert um Rainer Schmid, der am 26. Juli 2022 nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren verstorben ist. Der ehemalige Rechtsanwalt aus Nagold und überzeugte Sozialdemokrat setzte sich seit Jahrzehnten mit Leidenschaft für ein fortschrittliches und humanes Migrationsrecht ein. Er gehörte der Gründergeneration der Hohenheimer Tage zum Migrationsrecht an; als Hohenheimer „Urgestein“ war er seither auf der jährlichen Tagung stets präsent.

Einsatz für wirksame Erleichterung

Dabei war ihm besonders eine verbesserte aufenthaltsrechtliche Absicherung der hier lebenden ausländischen Familien ein großes Anliegen. Die ersten Hohenheimer Tage zum Migrationsrecht gingen aus einem Arbeitskreis hervor, der sich mit den kurz zuvor erfolgten Einschränkungen im Ehegattennachzug von Nicht-EG-Angehörigen befasst hatte. Die Gesetzgebung sah damals in Bayern und Baden-Württemberg eine Ehebestandszeit von mindestens drei Jahren zur Verhinderung sogenannter „Scheinehen“ vor. Als Rechtsanwalt vertrat Rainer Schmid ein türkisches Ehepaar, das zur Gruppe der Hauptbetroffenen gehörte. Aus der Veranstaltung ging eine Verfassungsbeschwerde hervor, die insoweit eine bis heute wirksame Erleichterung ergab, da die Zumutbarkeit der Wartefrist auf ein Jahr reduziert wurde.

Das Wohl der Kinder im Blick

Rainer Schmid erstritt im Jahre 2010 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte das Umgangsrecht für einen aus Nigeria stammenden leiblichen aber nicht rechtlichen Vater mit seinen beiden Kindern, und dies entgegen einer bis dahin verfestigten deutschen Rechtspraxis, die dem Wohl der Kinder in solchen Fällen zu wenig Aufmerksamkeit schenkte. Er hat damit das Verständnis des Umgangsrechts entscheidend mitgeprägt.

Dem Menschen zugewandte Warmherzigkeit

Nicht nur seine klare und fundierte Fachlichkeit, seine Unermüdlichkeit und Kontinuität waren maßgeblich dafür, dass Rainer Schmid aus der Hohenheimer Gemeinde nicht wegzudenken war. Vor allem auch seine Warmherzigkeit sowie dem Menschen zugewandte Art machten ihn zu dem, was er war: einem Fürsprecher für die Menschlichkeit.

Leider konnte Rainer Schmid krankheitsbedingt im Juni nicht mehr am Gesprächskreis Ausländer- und Asylrecht sowie Sommertreffen der Hohenheimer Tage teilnehmen. Wir hätten gerne mit ihm über die Umsetzung des jüngsten Koalitionsvertrages der Ampel-Regierung diskutiert, welcher u.a. ein beschleunigtes Verfahren zum Familiennachzug vorsieht. Rainer Schmids Anliegen werden auch weiterhin in Hohenheim fortleben.