Heim muss nicht sein

Die „Alle Inklusive?!“-Tagung beschäftigte sich mit der Frage, wie Menschen mit Behinderung selbstbestimmt wohnen können. Wo gibt es zu hohe Hürden, und wie kann man sie abbauen?



Von Linda Huber

In Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention wird Menschen mit Behinderungen das Recht zugestanden, gleichberechtigt zu entscheiden, wo und mit wem sie leben möchten. Doch das ist auch mehr als zehn Jahre nach Inkrafttreten der Konvention noch nicht überall gelebte Wirklichkeit: Es fehlt an barrierefreien Wohnungen sowie wohnortnahen und bedarfsgerechten Unterstützungsangeboten. Insbesondere Menschen mit hohem Pflege- und Unterstützungsbedarf leben oftmals in Heimen, in denen sie von den übrigen sozialen Strukturen abgeschnitten sind.

Dabei sind die Möglichkeiten des Wohnens für Menschen mit Behinderung vielfältig: Es könnte mehr ambulant betreute Wohnformen und inklusive WGs geben oder ein  Wohnen mit persönlicher Assistenz. Die Frage nach dem selbstbestimmten Wohnen ist auch eine Frage der gelingenden Inklusion. Eine neue Kultur des Zusammenlebens von Menschen mit und ohne Behinderung kann die Anerkennung und Wertschätzung von Verschiedenheit stärken.

Probleme bei der Wohnungssuche

Bei der Tagung  berichteten Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen von Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche und ihrem Leben in unterschiedlichsten Wohnformen. Wie dem eklatanten Mangel an barrierefreiem Wohnraum entgegengewirkt werden und ein Wohnen im Quartier zur Entwicklung eines inklusiven Gemeinwesens beitragen kann, darüber sprachen Dr. Volker Sieger, Leiter der Bundesfachstelle Barrierefreiheit, und die Sozialwissenschaftlerin Dr. Monika Seifert. Ferdinand Schäffler und Prof. Dr. Udo Weimar stellten das Projekt Quartett vor, das 2021 den Bundesteilhabepreis erhielt. Sie veranschaulichten, wie individuell angepasste technische Innovationen wie Sprachcomputer oder höhenverstellbare Arbeitsflächen, Teilhabe ermöglichen können.