Wie schafft die Autoindustrie den Wandel?

Die VDA-Präsidentin, Hildegard Müller, und Kai Burmeister, Gewerkschaftssekretär der IG-Metall, diskutierten in unserer Gesprächsreihe zu Wirtschaftsthemen.



Von Miriam Hesse

Nicht das Ob, sondern das Wie ist aus Sicht von Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), die entscheidende Frage für den Transformationsprozess, in dem sich die Autoindustrie aktuell befindet. Mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 habe die neue Bundesregierung einen ambitionierten Vorsatz festgelegt. „An Zieldefinitionen mangelt es nicht, aber wir sind jetzt in den Mühen der Ebene“, sagte die 54-Jährige, die früher als CDU-Politikerin Staatsministerin im Bundeskanzleramt war, im Gespräch der Reihe „Wirtschaft im Wandel“, das Stefanie Oeben, Leiterin des Fachbereichs Führungskräfte im Bischöflichen Ordinariat, moderierte. An vielen Stellschrauben müsse nun gedreht werden, damit der Klimaschutz letztlich nicht mit einem Verlust von Wohlstand und Wachstum einhergehe, betonte Müller. Steuern, Abgaben, Energiekosten, Digitalisierung - im Rennen um die besten Standortbedingungen für die Industrie sei Deutschland in vielem nicht wettbewerbsfähig: „Planungs- und Genehmigungsverfahren etwa dauern viel zu lang.“ Das Ziel der neuen Bundesregierung, bis 2030 bis zu 15 Millionen vollelektrische Pkw auf Deutschlands Straßen zu bringen, sei ohne kräftige Investitionen in die Infrastruktur nicht zu erreichen. Konkret brauche es mehr Ladepunkte im privaten Umfeld, im Handel, an den Tankstellen und auf den öffentlichen Straßen. „Die Ausbaugeschwindigkeit muss verachtfacht werden.“

Auch aus der Sicht von Kai Burmeister, Gewerkschaftssekretär der IG Metall und designierter DGB-Vorsitzender von Baden-Württemberg, muss der Transformationsprozess der Automobilindustrie unbedingt gelingen. Andernfalls stünden die Stellen von Hunderttausenden Beschäftigten auf dem Spiel. Dabei gehe es ja schließlich nicht nur um die unmittelbar in der Produktion Beschäftigten. So seien 151.000 Jobs in Baden-Württemberg zum Beispiel von den Komponenten- und Teilzulieferern abhängig. Auch die Vorstellung, die Umstellungsprobleme beträfen vor allem Geringqualifizierte, sei falsch. „Uns treibt nicht nur die Sorge vor leeren Fabrikhallen um“, sagte der 45-Jährige Volkswirt: „Die nächste Rationalisierungswelle wird eher in den Büros aufschlagen.“

Einig waren sich Müller und Burmeister auch in ihrem Appell an die neue Bundesregierung, die Autoindustrie außenpolitisch gut zu vertreten, schließlich würden zum Beispiel laut Burmeister 70 Prozent der Autos aus Baden-Württemberg exportiert. „Es ist wichtig, dass wir außenpolitisch im Gespräch bleiben“, betonte Müller: „Es ist auch möglich, dass diese wichtige Aufgabe direkt beim Kanzleramt angesiedelt wird.“
 

Dieser Artikel ist Bestandteil unserer Reihe Wirtschaft im Wandel:

 

 

 


Hildegard Müller, Kai Burmeister