Von Wanderkino bis YouTube

Die katholische Filmarbeit hat eine lange Geschichte. Wir dokumentieren die Beiträge einer Tagung, die sich aus historischer, theologischer und praktischer Sicht mit dem Thema beschäftigte.


Das Agieren der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit ist häufig Thema medialer Berichterstattung, gerade angesichts verschiedener aktueller Skandale. Weniger bekannt ist hingegen, dass die Kirche schon seit rund hundert Jahren eine eigenständige Filmarbeit betreibt, auch und gerade in der "Mediendiözese" Rottenburg-Stuttgart, wo das Katholische Filmwerk lange Zeit seinen Sitz hatte. Diesem Thema widmete sich eine Tagung des Geschichtsvereins und der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Christian Kuchler (RWTH Aachen University), die die katholische und auch die evangelische Filmarbeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus historischer, theologischer und praktischer Perspektive betrachtete. Obwohl die Veranstaltung aufgrund der Corona-Situation vom Tagungshaus in Weingarten in den digitalen Raum verlagert werden musste, erwies sich der Austausch zwischen Fachleuten aus Universität, Archiv, kirchlicher Medienarbeit und Filmproduktion sowie interessierten Laien auch in diesem Rahmen als äußerst fruchtbar. Der interdisziplinäre Ansatz und die inhaltliche Spannweite wurden von den TeilnehmerInnen sehr positiv wahrgenommen. Wir haben uns deshalb entschieden, einige Beiträge der Tagung hier und auf dem YouTube-Kanal der Akademie zur Verfügung zu stellen. Der Historiker Nicolai Hannig bot in seinem einführenden Vortrag einen Überblick über das eng verwobene Verhältnis zwischen Kirche und Medien im Deutschland des 20. Jahrhunderts.



Der Pastoraltheologe Wolfgang Beck nutzte die Analyse des Films "Gegen den Strom" für ein Plädoyer für eine "geöffnete Theologie".



Die Historikerin Edith Blaschitz zeichnete nach, was der Kampf der katholischen Kirche gegen filmischen "Schmutz und Schund" in der Nachkriegszeit mit der Schaffung einer österreichischen Identität zu tun hatte.



Der Tübinger Kulturwissenschaftler Tim Schaffarczik untersuchte die Entwicklung des Katholischen Filmwerks in Rottenburg und die damit eng verknüpften "Pfarrkinos" der 1950er und 1960er Jahre.



Der Historiker Ronald Funke nahm das Verhältnis zwischen Kirche und Fernsehen in der Bundesrepublik in den Blick.



Der Historiker und Geschichtsdidaktiker Christian Kuchler, Mitorganisator der Tagung, zeigte unter Rückgriff bis in die NS-Zeit auf, dass sich die katholische Filmarbeit in den "langen 1960er Jahren" grundlegend wandelte – weg vom Verbot, hin zum aufgeschlossenen Umgang mit Filmen.



Der Theologe und Filmexperte Reinhold Zwick machte in seinem Vortrag auf die überaus problematische Judendarstellung in Jesusfilmen der letzten hundert Jahre aufmerksam.



Alexander Bothe, Leiter des Referats Film bei der Deutschen Bischofskonferenz, stellte grundlegende Überlegungen zu Position und Aufgaben der katholischen Filmarbeit in der Gegenwart an.



Der Schweizer Filmemacher Silvan Maximilian Hohl gewährte anhand eines von ihm gedrehten Virtual-Reality-Kurzfilms Einblick in die Praxis der aktuellen katholischen Filmarbeit.



Reinhold Zwick und Alexander Bothe präsentierten auf Basis ihrer praktischen Arbeit aktuelle Filmtipps.




Hier finden Sie die gesamte Playlist in unserem Akademiekanal auf Youtube.

 

Dreharbeiten zum Film "Helfende Hände erhellen das Dunkel", 1960, Diözesanarchiv Rottenburg