Neues Projekt „Muslime als Partner in Baden-Württemberg“

Erstmals „Islamberater“ für Kommunen und muslimische Organisationen

Stuttgart. Der Islamwissenschaftler Hussein Hamdan von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat am Mittwoch (22. April) im Tagungszentrum Hohenheim das neu angelaufene Projekt „Muslime als Partner in Baden-Württemberg. Information, Beratung, Dialog. Gesellschaft gemeinsam gestalten“ der Öffentlichkeit präsentiert. Rund 80 Fachleute aus kommunalen Einrichtungen, Bildungs- und Beratungsstellen, Vertreter islamischer Organisationen sowie Haupt- und Ehrenamtliche aus der Dialog- und Integrationsarbeit tauschten sich dabei über gemeinsame Herausforderungen, Desiderate sowie bisherige Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit muslimischen Akteuren im kommunalpolitischen Kontext aus. Hamdan selbst wurde auch als der erste „Islamberater“ für kommunale Einrichtungen und muslimische Organisationen in Baden-Württemberg vorgestellt.

Professor Paul Witt, Rektor der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl und Dr. Verena Wodtke-Werner, Direktorin der Akademie, unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung.

Mit dem „Islamberater“ erhalten Kommunen und Gemeinden einen Ansprechpartner in Fragen des Zusammenlebens zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen vor Ort. Es gehe „um eine Sensibilisierung in der wechselseitigen Wahrnehmung und Kommunikation“, erklärte der an der Akademie für den interreligiösen Dialog zuständige Referent Christian Ströbele. Zudem gebe es die unterschiedlichsten, situationsspezifischen Unklarheiten und Bedürfnisse an Informationen, etwa über islamische Vereinigungen, islamisch-theologische Hintergründe oder über kommunale Strukturen und deren rechtliche Grundlagen.

Ottilie Bälz von der Robert Bosch Stiftung als weiterem Träger des Projekts sagte, dass mit Hilfe islambezogener Beratungsleistungen die Probleme, die im täglichen Umgang miteinander entstehen, „einfacher und nachhaltiger gelöst werden können, als dies ohne Beratung der Fall wäre“. Für die Konzeption des „Islamberaters“ seien gemeinsam mit der Akademie „umfangreiche Vorarbeiten“ geleistet worden, so beispielsweise die Studien über „Islamische Vereinigungen als Partner in Baden-Württemberg“ „Junge Muslime als Partner“. Die jahrelange gemeinsame Arbeit habe gezeigt: „Alle wollen das Beste, aber oft wissen wir nicht, wie wir es anpacken sollen.“ Ziel sei es, das Beratungsangebot längerfristig zu verankern und nachhaltig aufzustellen, so dass der „Islamberater“ mit Unterstützung weitere Partner in den kommenden Jahren zu einer festen Einrichtung wird.

Andreas Pattar von der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl, die das Projekt ebenfalls mitträgt, verwies darauf, dass die für den gehobenen Verwaltungsdienst ausgebildeten Absolventen verwaltungsrechtliche Entscheidungen in den verschiedensten kommunalen Feldern treffen müssten. In der Vielzahl von Streitfällen, die bereits gerichtlich entschieden worden sind, sei es größtenteils um die Sichtbarkeit des Islams im öffentlichen Raum gegangen (Moscheebauten, Kopftuch). Ziel aller Aktionen im gemeinsamen Lebensraum Kommune müsse sein, dass alle Bürger und damit auch Muslime nachhaltig darin einen angemessenen Platz finden, der aber weder einfach zugewiesen, noch von Muslimen einfach nach ihren Wünschen eingefordert werden könne. Vielmehr müsse in jedem Lebensbereich innerhalb der Kommune ein Verhältnis gefunden werden, „mit dem alle Beteiligten zufrieden sind“. 


Vortrag von Professor Dr. Andreas Pattar (Hochschule für Öffentliche Verwaltung Kehl) zu Islambezogenen Herausforderungen im kommunalen Kontext. 

Dies setze nach Ansicht Professor Pattars voraus, dass man vertrauensvoll miteinander spricht, die Bedürfnisse und Grenzen der Beteiligten ernst nimmt und versucht, „einen gerechten Ausgleich zu schaffen“. Die Hochschule Kehl wie auch die Akademie und die Robert Bosch Stiftung hätten in den vergangenen Jahren „ein großes Maß an Vertrauen aufgebaut“, das für ein Gelingen des Projekts die entscheidende Voraussetzung sei.

Dr. Levent Günes (Abteilung Integration der Stadt Stuttgart), Dr. Martin Kilgus (Robert Bosch Stiftung) und Ralph Klause (Ministerium für Integration des Landes Baden-Württemberg) im Gespräch.  

Ralph Klause unterstrich vonseiten des Ministeriums für Integration des Landes Baden-Württemberg die gesellschaftliche Relevanz des von „bewährten Partnern“ getragenen Projekts und übermittelte den Zuspruch von Ministerin Bilkay Önay. Dietmar Herdes vom Landkreistag Baden-Württemberg sprach davon, das Vorhaben reagiere auf seit langem bestehende Bedarfe und treffe damit gleichsam „den Nagel auf den Kopf“. Ein solches Vorhaben könne beitragen zur Aufhellung von Vorurteilen, um „auf Augenhöhe miteinander unterwegs“ zu sein.

Das Projekt „Muslime als Partner in Baden-Württemberg“ will islambezogene Kompetenzen in Kommunen stärken und islamische Akteure bei der Einbindung in kommunale Kommunikationsprozesse unterstützen. In Baden-Württemberg leben rund 600 000 Muslime, die das gemeinsame Zusammenleben mitprägen und mitgestalten. Eine durchgehende Einbeziehung in kommunale Handlungsfelder ist bislang alles andere als selbstverständlich. (ars/kwh)