Achtsamkeit fängt bei der Sprache an

„Jede Diskriminierung beginnt mit Worten“, betont die Fernsehmoderatorin und Autorin Petra Gerster beim Politisch-Philosophischen Salon der Akademie in Hohenheim.


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Von Miriam Hesse

Ein starkes Plädoyer fürs „Streiten, aber mit Respekt“ hat die Journalistin und Ex-ZDF-Moderatorin Petra Gerster am 13. Juli beim Politisch-Philosophischen Salon der Akademie in Stuttgart-Hohenheim gehalten. Als die Nachrichtensprecherin anfing, in der „heute“-Sendung zu gendern, erntete sie dafür auch viele empörte Reaktionen. In ihrem „nicht missionarisch gemeinten“ Buch „Vermintes Gelände – Wie der Krieg um Wörter unsere Gesellschaft verändert“ ging sie daraufhin der Frage nach, warum geschlechtergerechtes Sprechen und Schreiben die Gemüter nach wie vor in Wallung bringt. Gelinde gesagt.

Als „Genderterroristin“ geschmäht

Denn die Zuschriften damals, berichtete Gerster im Abendgespräch mit der früheren Ministerin Annette Schavan und dem Zukunftsforscher Ortwin Renn, hätten sich zu einem regelrechten Shitstorm ausgewachsen. „Doktoren mit feinem Briefkopf“ hätten sie unter anderem als „Genderterroristin“ geschmäht. Sie selbst halte die bewusste Sprache nachwievor für essenziell. Jede Diskriminierung beginne mit Worten, sagte die 67-Jährige: „Keinen verletzen zu wollen, scheint mir Grund genug, darauf einzugehen, was die Betroffenen fordern.“ Schließlich gehe es um „die Anliegen von Minderheiten, die um demokratische Teilhabe kämpfen“.

Widersprüche in der Anti-Diskriminierungs-Bewegung

Damit anzufangen, „wie Menschen sich gern angesprochen fühlen“, lobte der Soziologe Renn als guten Ansatz. Allerdings widerspreche die Anti-Diskriminierungs-Bewegung nicht selten selbst. So erlebe er auch „einen vertieften Hass gegen sogenannte alte weiße Männer“. Hier tue die Bewegung genau das, was sie angreift: „Sie will doch gerade, dass man nicht aufgrund von Identitätsmerkmalen eingestuft wird.“

Was ist zu tun, um unsere Demokratie in die Zukunft zu tragen? Diese Frage steht im Zentrum einer Gesprächsreihe, zu der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seit 2017 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft eingeladen hat. In „Zur Zukunft der Demokratie“ geben sie ihre vielfältigen Antworten, die bei dem Abendgespräch ebenfalls diskutiert wurden. Petra Gerster zeigte sich inbesondere beeindruckt vom Beitrag ihrer „persönlichen Heldin“, der Schriftstellerin Herta Müller. Schavan hatte mit Genuss den Beitrag der „Zeit“-Redakteurin Evelyn Finger gelesen, die analysiert, wie die Corona-Pandemie einem Brennglas gleich die Stärken, aber auch Schwächen der Kirchen gezeigt habe. Und Renn empfahl den Band gesammelter Beiträge vor allem für seinen Gesamteindruck, „dass wir in einer Demokratie leben, für die es sich zu streiten lohnt“.

 

Weitere Salonabende:

Politisch-Philosophischen Salon mit Rüdiger Freiherr von Fritsch
https://youtu.be/D2D1vdpLITk 

Politisch-Philosophischen Salon mit Boris Palmer
https://youtu.be/8n177DKZmWQ 

Politisch-Philosophischen Salon mit Maja Göpel
https://youtu.be/N2AQN02V53s

 

Die ehemalige Fernsehmoderatorin Petra Gerster sprach im Politisch-Philosophischen Salon der Akademie über ihr Buch „Vermintes Gelände“ .

Mit Petra Gerster diskutierten die frühere Bildungsministerin Annette Schavan (Mitte) und der Zukunftsforscher Ortwin Renn (online zugeschaltet) sowie die Akademie-Direktorin Verena Wodtke-Werner.