Gemeinsam gut leben

Förderung des Dialogs: Wie ein Miteinander verschiedener Religionen gelingen kann, wurde bei der Veranstaltung „Religionen als Partnerinnen im Raum Stuttgart“ diskutiert.

Von Anna Berger

In Stuttgart leben Gläubige vieler Religionen beisammen. Christen, Muslime und Juden sowie Angehörige zahlreicher weiterer Glaubensgemeinschaften sind in der Landeshauptstadt verwurzelt. Was das für das gesellschaftliche Miteinander bedeutet, wurde im Rahmen der Veranstaltung „Gesellschaft gemeinsam gestalten – Religionen als Partnerinnen im Raum Stuttgart“ thematisiert. Die Podiumsdiskussion war Teil des Themenbereichs „Interreligiöse Begegnungen“ des 102. Katholikentages, der in diesem Jahr unter dem Leitwort „leben teilen“ Ende Mai in Stuttgart stattfand. Moderiert wurde das Podium von Hussein Hamdan, Leiter des Fachbereichs „Muslime in Deutschland“ an der Akademie. Im Publikum waren Gläubige verschiedener Religionsgemeinschaften vertreten.

Zum Auftakt der Veranstaltung skizzierte Gari Pavkovic, Integrationsbeauftragter der Stadt Stuttgart, zentrale Bausteine für ein gutes Zusammenleben. Es sei wichtig, auf das Verbindende zwischen unterschiedlichen Menschen, Kulturen oder Religionen zu schauen, den anderen mit Anerkennung zu begegnen und allen die Möglichkeit zur Teilhabe an der Gesellschaft zu geben. Außerdem betonte Gari Pavkovic die zentrale Rolle des Dialogs, um gemeinsam gut leben zu können.

Der Rat der Religionen

Ein wichtiges Forum für den interreligiösen Dialog bildet der Rat der Religionen Stuttgart. Das Gremium wurde im Jahr 2015 von den Stadtdekanen der evangelischen und katholischen Kirche, Søren Schwesig und Christian Hermes, gegründet. Es besteht inzwischen aus zwanzig Vertreter:innen verschiedener Religionsgemeinschaften. Ziel sei es gewesen, einen Raum für den Austausch zwischen den Leitungsverantwortlichen der einzelnen Gemeinden zu schaffen, erläuterte Hermes. Zudem fungiere der Rat der Religionen in religiösen Fragen als Ansprechpartner für die Stadt Stuttgart. Man setze sich für ein friedliches Zusammenleben ein und wolle dazu ermutigen, einander kennenzulernen. So erstellte der Rat der Religionen im Jahr 2016 beispielsweise eine Handreichung für die Gestaltung multireligiöser Feiern in Stuttgart.

Im Zentrum stehen für den Rat unter anderem gesellschaftliche, religiöse oder politische Fragen, an denen die Mitglieder des Rates gemeinsam interessiert sind. Ausgeklammert würden Themen, die religiöse Überzeugungen betreffen, um Streitigkeiten unter den verschiedenen Glaubensgemeinschaften zu vermeiden. Ali Ipek, Geschäftsführer der Islamischen Religionsgemeinschaft DITIB in Württemberg und Mitglied des Rates der Religionen, machte darüber hinaus deutlich, dass es trotz einer großen Offenheit des Gremiums Aufnahmekriterien gebe, die erfüllt sein müssten, wenn eine Gemeinde Ratsmitglied werden wolle. Eine Aufnahme der Humanisten sei beispielsweise nicht möglich gewesen, da eine religiöse Ausrichtung vorausgesetzt werde.

Im Kontext des interreligiösen Dialogs hob Hermes auch den Einsatz der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und insbesondere von Hussein Hamdan hervor. Er wertschätzte dessen Arbeit im Rahmen der Islamberatung als wichtigen Beitrag für den Dialog zwischen Religionen und Kommunen.

Ansätze auf lokaler Ebene

Lena Zoller, Leiterin des Bereichs „Interreligiöses und Gesellschaft“ von der Stiftung Weltethos, stellte mit dem Projekt „Lokale Räte der Religionen“ ebenfalls ein Konzept vor, das der Förderung des Dialogs zwischen Kommunen und Religionsgemeinschaften dient. Die Stiftung Weltethos berät gemeinsam mit dem Runden Tisch der Religionen Baden-Württemberg, einem Forum für den Austausch zwischen Landesregierung und Glaubensgemeinschaften, Kommunen dabei, auf lokaler Ebene Räte der Religionen zu gründen. In manchen Gemeinden sei das Projekt auf Widerstand von den christlichen Großkirchen gestoßen, die einen Rat der Religionen für überflüssig hielten. Auch Unstimmigkeiten zwischen verschiedenen muslimischen Gemeinden hätten die Gründung eines Rates der Religionen in manchen Kommunen verhindert, erläuterte Lena Zoller.

Einige Stimmen aus dem Publikum bildeten den Abschluss der Podiumsdiskussion. Eine Zuhörerin stellte beispielsweise die Frage, welche Ergebnisse auf politischer Ebene durch den Rat der Religionen erzielt würden. Hermes erklärte, dass insbesondere ein zunehmendes Bewusstsein für die Vielfalt der Religionen politische Wirkung habe. Der katholische Stadtdekan verwies auf den „Atlas der Religionen“, der vom Rat der Religionen, den Stuttgarter Religionsgemeinschaften und dem Statistischen Amt der Stadt Stuttgart erstellt wurde und beispielsweise die Struktur und Entwicklung verschiedener Glaubensgemeinschaften in Stuttgart veranschauliche.

Nachdem während des Gesprächs verschiedene Formen, Herausforderungen und Grenzen des Dialogs beleuchtet wurden, schloss Hussein Hamdan die Podiumsdiskussion mit dem Fazit: „Dialog braucht Aushandlung, Definition und Mut.“

Gari Pavkovic, Integrationsbeauftragter der Stadt Stuttgart, Lena Zoller, Stiftung Weltethos, Tübingen, Dr. Hussein Hamdan, Ali Ipek, Stuttgarter Rat der Religionen, Msgr. Dr. Christian Hermes, Stadtdekan, Stuttgart (von links nach rechts)