Neue Initiative zum Dialog mit dem Islam

Theologisches Forum Christentum-Islam eröffnet

Am vergangenen Wochenende eröffnete die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart zusammen mit evangelischen und katholischen Wissenschaftlern ein Forum für die christliche Wahrnehmung des Islam. 25 Theologen aus dem deutschsprachigen Raum, viele davon mit islamwissenschaftlicher Zusatzqualifikation, stellten sich der Frage, was Existenz und Anspruch des Islams für das Selbstverständnis christlichen Glaubens bedeuten.


Die gegenwärtige weltpolitische Situation macht deutlich, wie dringend es ist, nicht nur nach Hindernissen, sondern vor allem nach Chancen im Gespräch mit dem Islam zu fragen. Dies ist auch eine zentrale Aufgabe der christlichen Theologie. Theologische Sprachlosigkeit und Unsicherheit im Umgang mit Muslimen und dem Islam verstärkt die gesellschaftliche und politische Hilflosigkeit. Diffuse Ängste und Fremdheitsgefühle führen zur pauschalen Ausgrenzung. Ein theologisches und historisches Problembewusstsein dagegen trägt dazu bei, das Verhältnis von Christentum und Islam differenzierter zu betrachten.


Die Teilnehmer der Tagung waren sich einig, dass auf christlicher Seite noch erheblicher Reflexionsbedarf besteht. Kirchenamtliche Texte und theologische Konzepte geraten in der Begegnung mit dem Islam schnell an ihre Grenzen. Vor diesem Hintergrund stellte der katholische Theologieprofessor Hans Zirker den Islam als Religion in der Wirkungsgeschichte des Christentums und als Lernfeld für christliche Theologie dar. Christen könnten Entscheidendes vom Islam als einer Religion lernen, die die selbstsichere heilsgeschichtliche Stellung des Christentums in Frage stellt. Anfragen des Korans an christliche Glaubensgrundsätze provozieren dazu, diese überzeugender zu entfalten. Der evangelische Theologieprofessor Ulrich Schoen forderte eine Entgloba-lisierung des Dialogs, die bei den Fußwegen konkreter Begegnungserfahrungen ansetzt. Kontrovers diskutiert wurde die Frage, welche Kriterien für einen Vergleich beider Religionen angewendet werden können.


Das „Theologische Forum Christentum – Islam“ soll als wissenschaftliches Netzwerk der theologischen Selbst-vergewisserung, dem Austausch über Ideen und der Vernetzung von Aktivitäten dienen. Weitere Tagungen zur innerchristlichen Reflexion sowie wissenschaftlich fundierte Dialoge mit Muslimen sind in Stuttgart-Hohenheim geplant. Ziel des Forums ist es, den Islam zu einem selbstverständlichen Bezugspunkt christlicher Theologie zu machen und damit auch einen Beitrag zur Integration von Muslimen zu leisten.