Meditatives Kobaltblau

Da Sie die großartigen motivierenden Werke unserer Ausstellung "Kunst ist Lebensbereicherung" derzeit nicht vor Ort betrachten können, kommen wir zu Ihnen. Heute mit Sabine Becker.

 

Das Triptychon von der in Konstanz lebenden Künstlerin Sabine Becker sticht sofort ins Auge, wenn man das Tagungszentrum Hohenheim betritt. Drei großformatige leuchtend blaue Werke in schwarzen Metallrahmen sind an der Stirnwand des Foyers angebracht und ziehen den Betrachter in den Bann. Eine unglaubliche Sogwirkung geht von diesen Bildern aus.


Die Künstlerin hat die Werke für diese Ausstellung selbst gewählt. Ihr Anliegen war es, dieses Triptychon erneut in einem kirchlichen Kontext zu präsentieren. Schon einmal wurde das dreiteilige Werk in einer Kirche, die nunmehr für Ausstellungen genutzt wird, gezeigt. Es wurde bewusst in der Apsis platziert, an dem Ort, an dem normalerweise der Hochaltar zu finden ist. Triptychen gibt es bereits seit dem Mittelalter in dreidimensionaler-, Relief- oder zweidimensionaler Form, auch Mischformen sind gängig. Kleine Triptychen wurden auch auf Reisen mitgenommen. Sie dienten der Andacht und der persönlichen Erbauung. Bis ins 20. Jahrhundert waren ausschließlich religiöse Inhalte zu verzeichnen. Eine spirituelle Erbauung intendiert auch Sabine Becker mit dieser Arbeit. Die Gedanken fokussieren und Emotionen zulassen ist ganz in ihrem Sinn.

Seit 30 Jahren beschäftigt sich Sabine Becker mit diesem Kobaltblau. Sie entdeckte es einst in einer Pigmentmühle, es faszinierte sie sofort und lässt sie seitdem nicht mehr los. Aus der Kunstgeschichte ist Yves Klein bekannt, der sein Blau selbst entwickelte und sich dies sogar patentieren ließ. Die vielfältigen Darstellungsvarianten von Becker, die sich aus der langen Schaffensphase ergeben haben, sind – trotz der selbstgewählten, scheinbaren Einschränkung – enorm. In Verbindung mit einem Bindemittel fügt die Künstlerin das pulvrige Pigment zusammen und trägt es in unendlicher Geduld Schicht für Schicht auf – ein sehr meditativer Vorgang.

Dieser meditative Farbauftrag kann sich auf den Betrachter übertragen, in dem er sich der Sogwirkung hingibt, die Anziehungskraft und die Wirkmacht der Werke zulässt. Auf die Frage, was das Blau für die Künstlerin selbst bedeute, antwortete Sabine Becker: „Blau ist für mich die Farbe der Ferne, der Tiefe und der Transzendenz.“
 

Dieser Artikel ist Bestandteil unserer Reihe "Das Werk der Woche":


Ilonka Czerny

Das Triptychon von Sabine Becker in unserer Ausstellung „Kunst ist Lebensbereicherung“ im Tagungszentrum Hohenheim.

Schon einmal wurde das dreiteilige Werk in der Apsis einer Kirche, die nunmehr für Ausstellungen genutzt wird, gezeigt.

Sabine Becker vor den vielfältigen Darstellungsvarianten.

Durch das in vielen Schichten aufgetragene Pigment erschafft Sabine Becker Werke mit großer Anziehungskraft.