Lebensmittel Kunst

Für Kunstschaffende wie Katharina Krenkel und Markus Himmel ist die Corona-Krise existenzbedrohend. Mit einer Kunstaktion wollen sie trotzdem Kultur-Bedürftigen helfen.

Wie die Gastronomie und das Hotelgewerbe, so leidet auch die Kunst- und Kulturindustrie massiv unter der Covid 19-Krise. Unser Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hat bei der Eröffnung des Europakonzertes in der Berliner Philharmonie am 1. Mai gesagt, er denke „auch an die vielen freischaffenden Künstlerinnen und Künstler, ja das gesamte Kulturleben, das von der Krise noch einmal besonders betroffen ist. Viele Existenzen sind bedroht.“ Er bezeichnete in seiner Ansprache Kunst und Kultur als „keine verzichtbaren Nebensachen“. „Gerade in diesen Tagen erfahren wir: Kunst und Kultur sind, in einem sehr buchstäblichen Sinn, Lebensmittel“, sagte der Bundespräsident. Daraus folgt, Kunst und Kultur sind nicht nur Lebens bereichernd, sondern Mittel zum Leben und damit existenziell!

Jeder ist Kultur-bedürftig

Das Künstlerehepaar Katharina Krenkel und Markus Himmel aus dem Saarland haben in der Coronakrise diese kulturellen Defizite schnell erkannt und helfen Kunst-Bedürftigen mit ihrem Kunst-Care-Paket. Die Care-Pakete aus den USA retteten Millionen Europäern das Überleben nach dem 2. Weltkrieg. Das Krenkel-Himmel-Kunst-Care-Paket helfe in der aktuellen Krise gegen Lagerkoller und Kulturnotstand, bewerben die beiden Künstler das Paket in einer E-Mail. Zu bestellen ist es unter KRENKELHIMMEL@gmx.de, bitte mit dem Betreff: „Ich bin bedürftig“ versehen.

In Zeiten, in denen Museen geschlossen und Ausstellungen höchstens im virtuellen Rundgang zu betrachten sind, enthält dieses Paket „echte, physische Kunst als Sinninsel“. Es beinhaltet eine Grußpostkarte, zwei Linoldruckgrafiken – sinnigerweise mit Motiven der stark nachgefragten Artikel wie Tempotaschentücher und Seife bedruckt – einer Stickzeichnung und einer textilen Kleinplastik. Das Paket ist kostenfrei. Es ist ein Geschenk der Künstler an uns die Kultur-Bedürftigen. In einem Telefon-Interview sagte die Künstlerin, die bereits mehrfach in der Akademie ausstellte: „In dieser Krisenzeit können wir Kunst geben und Sinn stiften, denn Kunst kann etwas für die Gesellschaft leisten.“ Die beiden möchten nicht als Bittsteller gelten, sie wollen mit ihrem Kunst-Produkt einen gesellschaftlichen Beitrag leisten.

Keine Möglichkeit für günstige Kredite

Sie sehen in der Krise auch eine Chance. Menschen im Home Office erhalten nun ein besseres Verständnis für Freiberufler, weil sie ihre Tagesstruktur gestalten und die Krise bewältigen müssen. Künstler leben fast ständig im Krisenmodus, durch Corona ist die Lage jedoch verschärft. Ausstellungen wurden abgesagt oder verschoben, Kunst-Präsentationen zum Verkauf von Kunstwerken sind weggefallen. Die vom Staat erhaltenen Sofortmaßnahmen reichen bis zum Sommer, so das Ehepaar, welches vier Kinder hat und ausschließlich vom Kunstverkauf oder Honoraren lebt. Die zugesagten günstigen Bankkredite erhalten sie jedoch nicht. Mit ihrem unsteten Einkommen sind sie nicht kreditwürdig. Das Kunst-Care-Paket verhilft den Künstlern momentan zu Anerkennung und Zuspruch, aber sie befürchten einen Einbruch, wenn aufgrund der Krise mittelfristig Ankaufsetats gestrichen werden, weil Haushaltslöcher gestopft werden müssen. Aber beide leben in der Hoffnung, dass es weiter geht. „Wir sind grundsätzlich Optimisten“, sagt Katharina Krenkel.
Liebe Leserin, lieber Leser, seien Sie bitte der Kultur verbunden, optimistisch und zuversichtlich,

Ihre

Dr. Ilonka Czerny


Das Krenkel-Himmel-Kunst-Care-Paket


Katharina Krenkel und Markus Himmel