Interkultureller Jugenddialog

Angeregt durch eine Tagung in Weingarten trafen sich in Bolivien erstmals junge Leute aus Deutschland, Bolivien und Ecuador, um gemeinsam über Zukunftsfragen zu beraten.

Acht Tage lang trafen sich junge Leute aus Deutschland, junge Indigene aus dem ecuadorianischen und bolivianischen Amazonasgebiet und tauschten sich über ihre Zukunftsthemen, die großen Transformationen und Herausforderungen unserer Zeit aus und entwickelten Handlungsperspektiven. Die Veranstaltung fand im bolivianischen Amazonasgebiet statt. Sie wurde geleitet von Dr. Heike Wagner von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart sowie Adhemar Mole Silaipi von der indigenen Organisation Central de Pueblos Étnicos Mojeños del Beni (CPEM-B), Bolivien.

Abschlusserklärung und Videobotschaften

Was bewegt die jungen Leute? Was sind ihre Themen? Was wünschen sie sich und was schlagen sie ganz konkret vor? Die Veranstaltung folgte einer offenen Methode, inspiriert durch die themenzentrierte Interaktion und die Open Space-Methode. Als Hauptthemen kristallisierten sich die Umweltfragen/Natur/Klimawandel/Leben im Regenwald im Einklang mit der Natur, Menschenrechte, Bildung sowie die sozialen und eigenen, indigene Organisationen heraus. Zwei Vorträge und Kommentare durch die Tagungsleitung begleiteten den Prozess und setzten kurze Impulse. Die inhaltliche Arbeit und deren Ergebnisse lagen jedoch ganz bei der Gruppe. Ein ganzer Tag wurde für die Erarbeitung von konkreten Ergebnissen und Handlungsplänen reserviert, was von der Gruppe vor allem für die Formulierung einer Abschlusserklärung und für die Erstellung von Videobotschaften genutzt wurde. Jedes Wort der Abschlusserklärung wurde intensiv diskutiert und, obwohl es ein langer Arbeitstag war, gingen die Diskussionen auch nach Mitternacht weiter, bis eine gemeinsame Erklärung gefunden war.

Diese Erklärung wurde von allen Teilnehmenden unterzeichnet. Sie formuliert nicht nur Forderungen; sie enthält vor allem auch Selbstverpflichtungen mit konkreten Handlungsansätzen, etwa zum Umgang mit Müll, für eine friedliche Kommunikation, zur Stärkung der Jugendbewegungen und der Unterstützung des Konzeptes Kawsak Sacha von der indigenen Gemeinschaft Sarayaku in Ecuador. In der Abschlussdiskussion und Evaluation der Tagung wurden offene Themen formuliert, an denen es nun weiterzuarbeiten gilt: Machtfragen und die Abwanderung vom Land/Regenwald in die Städte.

Junge Leute wollen gehört werden

Alle Teilnehmenden gingen hoch motiviert zurück. Bereits einen Tag nach dem Treffen waren erste Teilnehmende aus Bolivien bei ihrer Jugendorganisation, um ihren Wunsch auszudrücken, diese wieder zu reaktivieren und zu stärken. Die Teilnehmenden aus Deutschland entwickelten ihrerseits bereits vielfältige Ideen für Aktionen, Bildungsveranstaltungen, schufen Videos und Botschaften für die sozialen Netzwerke.

Die Veranstaltung ist Ergebnis einer Tagung im Tagungshaus Weingarten, organisiert von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Misereor und Brot für die Welt zum Thema „Zukunft mit indigenen Völkern Lateinamerikas“, bei der eine Gruppe junger Leute aus Weingarten den Wunsch äußerte, sich weiter mit der Thematik zu beschäftigen, die Begegnung mit Indigenen zu vertiefen und sich dazu in der Bildungsarbeit oder in einem anderen Format in Deutschland zu engagieren. Zwei anwesende indigene VertreterInnen (Patricia Gualinga aus Ecuador sowie Adhemar Mole Silaipi aus Bolivien) wie auch die Akademie der Diözese griffen diesen Wunsch begeistert auf. Misereor unterstützte ihn finanziell.

Jede Veranstaltung an der Akademie zielt auch darauf, nachhaltige Prozesse, neue Fragen und Impulse anzuregen. Aus einer Tagung im Sommer 2018 entstand ein interkultureller Jugenddialog und daraus ein internationales Netzwerk junger Leute, welche sich bereits während der Veranstaltung mit anderen Netzen zusammenschlossen, ihre Botschaften in verschiedene Kanäle trugen und nun in verschiedensten Weisen weiterverbreiten und in Dialog treten.

„Wir sind die Zukunft, wir sind aber auch die Gegenwart und wollen gehört werden.“ Wie auch die Bewegung „Fridays for Future“ zeigt: junge Leute haben viel beizutragen; sie zeigen neue Wege und haben wichtige Botschaften. Sie sollten gehört werden.

(Heike Wagner)

Junge Leute haben sich in Bolivien über zentrale Fragen ihrer Zukunft ausgetauscht.


An der Veranstaltung in Bolivien hat auch eine Delegation junger Leute aus dem Regenwaldgebiet von Sarayaku teilgenommen.


Junge Leute eint das Interesse für die gleichen Themen. Diese wurden bei der Veranstaltung herausgefiltert.