Integration und Verwaltung

Eine Studienwoche online zu veranstalten, bedeutete für die Organisation eine große Herausforderung. Den Studierenden fehlte die direkte Begegnung – aber der Lernerfolg hat gestimmt.

Im Coronajahr 2020 stellen auch Tagungen und Seminare Herausforderungen dar, die im Fachbereich Migration und Menschenrechte eigentlich bereits seit vielen Jahren Routine sind. Weil die zwei geplanten Veranstaltungen im Oktober und November nicht im Tagungszentrum Hohenheim stattfinden konnten, haben sich vom 19. bis 23. Oktober insgesamt 75 Studierende der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl im Online-Seminar zum Thema Integration und Verwaltung getroffen; es waren nur die Referierenden im ‚Großen Saal‘ in Hohenheim anwesend. Dank der modernen Streamingtechnik war der Austausch zwischen den Referierenden und den Teilnehmenden während der Veranstaltungswoche problemlos möglich.

Das hat sich gleich am ersten Tag gezeigt, als Fatma Gül als Vertreterin der Abteilung Integration der Landeshauptstadt Stuttgart, und Kerim Arpad, Geschäftsführer des Deutsch-Türkischen Forums Stuttgart, zu einem Rundgespräch vor Ort waren. Die Studierenden konnten im virtuellen Gruppenraum live mit den beiden diskutieren. Dr. Levent Günes vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg, welches die Veranstaltung sowohl personell als auch finanziell unterstützte, war ebenfalls von der Übertragungstechnik beeindruckt. Er nahm die zahlreichen Fragen und Anregungen aus dem Klassenraum direkt entgegen und kam so mit den Teilnehmenden ins Gespräch. Maximilian Pichl von der Universität Kassel und Gökay Sofuoğlu, der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, waren online dabei und gaben einen Einblick in die europäische Migrationspolitik beziehungsweise in die politische Arbeit der TGD, der Türkischen Gemeinde Deutschlands. Die Studierenden konnten auch davon profitieren, dass Herr Sofuoğlu direkt vom Migrationsgipfel mit der Bundeskanzlerin zugeschaltet war.

Die Studierenden mit Zahlen und Statistiken gefüttert

Am zweiten Seminartag besuchte Prof. Dr. Michael Hermann von der Pädagogischen Hochschule Weingarten die Tagungsräume, allerdings in seiner Funktion als Stabstellenleiter im baden-württembergischen Kultusministerium und fütterte die Studierenden mit Statistiken und Zahlen. Daraufhin gab der Geschäftsführer der AWO Stuttgart, Friedhelm Nöh, einen Einblick in soziales Handeln und politische Anwaltschaft von Wohlfahrtsverbänden im Land. Die für den Nachmittag geplanten Hospitationen in verschiedenen Einrichtungen waren coronabedingt nicht möglich; zwei Institutionen hatten sich jedoch bereit erklärt, den Studierenden zumindest online einen Einblick in ihre jeweilige Arbeit zu geben. Astrid Kauth stellte die Beratungsstelle Yasemin unter Trägerschaft der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart vor. Anschließend gab Seán McGinley Einblicke in die für viele bis dato unbekannte Arbeit des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg.

Am Mittwoch gab Prof. Wolfgang Armbruster einen umfassenden Überblick ins Migrationsrecht: national, europäisch und international. Das erlernte Wissen wurde am Nachmittag in virtuellen Kleingruppen zu verschiedenen Themen vertieft. Die Studierenden konnten sich jeweils für zwei der vier Angebote entscheiden.

Andreas Deuschle vom Amt für Öffentliche Ordnung der Stadt Stuttgart bot einen Workshop zum Thema Staatsangehörigkeit und Optionsregelung an. Bei Prof. Armbruster konnten die Studierenden sich zu den Themen Ausweisung, Abschiebung und Abschiebungshaft weiterbilden. Die Regelungen des Flüchtlingsrechts stellten Manfred Weidmann und Dominik Keicher von der „Kanzlei in der Südstadt“ Tübingen vor. Unser Mitveranstalter Prof. Dr. Andreas Pattar von der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl bot zudem Gruppen zum Thema Einwanderung und soziale Rechte an.

Einblicke in die kommunale Arbeit zur Integration

Für die angehenden Beamten und Beamtinnen war Frank Edelmann, Bürgermeister a.D. der Gemeinde Steinach im Kinzigtal, online zugeschaltet und gab den Studierenden mithilfe einer interaktiven Gemeindeversammlung Einblicke in die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im kommunalen Bereich. Daran schlossen sich Claudia Bissinger und Isabel Wagner der IHK Bodensee-Oberschwaben an, die Ihr Projekt „Integration in Ausbildung“ vorstellten. Auch an diesem Nachmittag waren zwei Hospitationsstellen bereit, den Studierenden via Internet einen virtuellen Besuch in der Einrichtung zu ermöglichen. Eindrucksvoll berichtete Magdalena Berrer vom Fraueninformationszentrum (FIZ) beim Verein für internationale Jugendarbeit in Stuttgart über gängige Praktiken des Menschenhandels in Nigeria, deren Konsequenzen sich oft in der Beratungsstelle offenbaren. Anschließend war Volker Habermaas als Vertreter des Ausbildungscampus online zugeschaltet. Auch hier erhielten die Studierenden einen umfassenden Eindruck der verschiedenen Tätigkeiten des Ausbildungscampus Stuttgart.

Zum Abschluss der Woche waren Regina Schwab, die Leiterin der Ausländerbehörde der Stadt Laupheim, und Klaus-Rüdiger Paetsch, der ehemalige Leiter der Ausländerbehörde Ulm, in Hohenheim vor Ort und diskutierten mit den Studierenden anhand von Fallbeispielen die Rolle der Ausländerbehörden bei der Integration. Anschließend erfolgte die Auswertung der gesamten Woche. Die Studierenden und Referierenden waren sich einig, dass die Inhalte der Woche online gut vermittelt werden konnten, auch wenn es vor Ort sicherlich schöner gewesen wäre. Die Stimmung und Mitarbeit während der Woche waren gut, und die Teilnehmenden mit großem Engagement dabei. Als Fazit der Woche haben die Teilnehmenden feststellen können, dass Migration und Integration wichtige Bestandteile von behördlichem Arbeiten sind. Die verschiedenen interdisziplinären Ansätze haben den Studierenden dabei geholfen, sich auf sich auf die zukünftigen Aufgaben des migrationssensiblen Arbeitens vorzubereiten.

(Vanessa Zeeb)

 

Zum Technikraum wurde der große Saal des Tagungszentrums in Stuttgart-Hohenheim umfunktioniert. So konnten die Fragen der zugeschalteten Studierenden beantwortet werden.

Dank moderner Streamingtechnik konnte die Studienwoche auch unter Coronabedingungen erfolgreich absolviert werden.