Frauen im Sufismus

Zur Rolle von Frauen in der Islamischen Mystik der Gegenwart diskutierten internationale ExpertInnen und führende Geistliche bedeutender Sufiorden bei einer Online-Tagung.

Mystik steht in einem fortwährenden Dialog mit gesellschaftlichen und politischen, kulturellen und ökonomischen Dynamiken. Eine oft wenig beachtete Rolle spielen dabei Frauen sowie Formen eines sozial engagierten Sufismus. Eine Fachtagung stellte diese ins Zentrum und griff dabei aktuelle religionswissenschaftliche Forschungsimpulse auf, die den Blick richten auf visuelle und materielle Aspekte religiöser Praxis. Die internationale Tagung führte Forscher aus Österreich, Frankreich, Bosnien, Kanada, Kroatien, Italien, Pakistan, der Schweiz, der Türkei, Großbritannien und den USA zusammen.

Sie berichteten über aktuelle Feldforschungen und gegenwärtige Figuren und Entwicklungen im zeitgenössischen Sufismus.
Eine Besonderheit bestand im Einbezug sowohl interdisziplinärer fachwissenschaftlicher Perspektiven als auch von Geistlichen aus bedeutenden Strömungen des Sufismus:

Mitbeteiligt waren Gülizar Cengiz, die Vorsitzende des Alevitisch-Bektaschitischen Kulturinstituts; Rosina-Fawzia Al-Rifai-Al-Rawi; Amina Teslima al-Jerrahi, Sheikha des Nur-Ashki-Jerrahi-Sufiordens in Mexico; Cemalnur Sargut, Sufi-Lehrmeisterin der Rifāʿīya und Präsidentin des türkischen Frauenkulturverbandes; Hayat Nur Artiran Hodja, Präsidentin der Şefik Can International Mevlânâ Education and Culture Foundation und Schülerin von Şefik Can, dem Oberhaupt (Sertârik) der Mevlevi-Scheikhs und der offiziellen Lehrautorität (Mesnivîhan) zu Rumis Maṯnawī, sowie Fariha Fatima al-Jerrahi, Mitgründerin und Sheikha des Nur-Ashki-Jerrahi-Sufiordens in New York.

Die englischsprachige Videodokumentation mit den Vorträgen, Diskussionen und auch einem virtuellen ḏikr dieser außergewöhnlichen – auch durch das digitale Veranstaltungsformat in Coronazeiten ermöglichten – Zusammenkunft ist inzwischen verfügbar: www.akademie-rs.de/visions

Die Veranstaltung war eine Kooperation mit dem Institut d'ethnologie méditerranéenne européenne et comparative, Aix en Provence / Centre national de la recherche scientifique und dem Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen.

(Dr. Christian Ströbele)