Gottesbilder

Entwicklungspsychologische Kenntnisse sind gute Voraussetzungen, die Entstehung von Gottesbildern bei Kindern zu verstehen und auch späteren Glaubenskrisen wirkungsvoll begegnen zu können.

Tagungsbericht zur Tagung  für Lehrerinnen und Lehrer zur Lehrplaneinheit „Die Frage nach Gott“

12. - 13.10.2018, Stuttgart-Hohenheim

Entwicklungspsychologische Kenntnisse sind gute Voraussetzungen, nicht nur die Entstehung von Gottesbildern bei Kindern zu verstehen, sondern auch den später zu erwartenden Glaubenskrisen wirkungsvoll begegnen zu können.

Der jüngsten Tübinger Repräsentativumfrage zufolge seien Jugendliche dem Glauben gegenüber zwar mehrheitlich positiv eingestellt, der derzeitige schulische Religionsunterricht greife dies jedoch nicht konstruktiv genug auf. Damit drifte das Reden von Gott in eine Wirklichkeitsferne, die mit der Lebens- und Glaubenswirklichkeit von Schülerinnen und Schülern kaum mehr in Berührung komme – so das Eingangsstatement von Ludger Verst, Katholischer Religionslehrer und Religionspädagoge der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt. An Beispielen aus der eigenen Praxis machte Verst plausibel, dass Religionsunterricht nicht nur der Sachebene, sondern vor allem der Beziehungsebene dienlich sein müsse. Dann aber könne der Religionsunterricht ein Ort religionssensibler Begleitung, ein Experimentierraum für die religiösen Suchbewegungen der Schülerinnen und Schüler sein – Suchbewegungen, in denen ein kindliches Gottvertrauen aufgehoben werden kann, in denen aber auch Glaubenszweifel zugelassen und aufklärerische Anfragen produktiv aufgearbeitet werden.

Wenn also z. B. die Naturwissenschaften zu Einbruchstellen des Glaubens werden, sei dies nicht nur zu bedauern, sondern gewollt aufzugreifen. So werden aus zufälligen Einbruchstellen absehbare und begleitbare „Sollbruchstellen“. Auf diese Weise kann der Bruch mit einem anthropomorphen Gottesbild konstruktiv zu einem kosmomorphen Gottesbild führen, wie die Schülerin Laetizia dies eindrucksvoll visualisiert hat:

Aus dem transzendenten Gott mit Bart … wird ein Gott, der dem Kosmos immanent ist.

(siehe Bilder)

Was die Tübinger Umfrage ergab („Glaube ja – Religion nein“) spiegelte sich in den Medien, die Rainer Steib, Leiter der Fachstelle Medien und Geschäftsführer des Ökumenischen Medienladens, am Abend vorstellte. Exemplarisch der Kurzfilm „Rubai“: Das achtjährige irische Mädchen Rubai kann sich nicht länger mit der unhinterfragten religiösen Tradition ihres Landes identifizieren, die vergeblichen Gebete um Genesung ihres Vaters haben die klassischen Attribute eines gütigen und allmächtigen Gottes unglaubwürdig gemacht. Darwins Evolutionstheorie hingegen gibt für Rubai einen Sinn. Und dennoch: Am Grab pflegt sie eine anrührende Beziehung zu Ihrem Vater. Dass eine solche „religiöse Suchbewegung“ vom Lehrer nicht wertschätzend aufgegriffen wird (vom Pfarrer schon gar nicht), entspricht in filmischer Verdichtung der Problemanzeige, die Verst im ersten Teil aufgespannt hat.

Kurzfilm „Rubai“ 
 
In Absprache mit Verst und Steib hat Katrin Handschuh Unterrichtskonzepte, Stundenentwürfe und Filmmodule zu einem 130-seitigen Reader zusammengestellt, der die anwesenden Lehrerinnen und Lehrer darin unterstützt, die „Frage nach Gott“ künftig noch vielfältiger und qualifizierter im Schulalltag umsetzen zu können. Die Tagung bot Gelegenheit, ausgewählte Stundenentwürfe zu diskutieren.

„Resonanzfähig sein für die Suchbewegungen der jeweils neuen Generation“ (Ludger Verst)


Aus dem transzendenten Gott mit Bart …


... wird ein Gott, der dem Kosmos immanent ist.


Rubai verweigert die Kommunion