Ein Priesterbild mit Zukunft?!

Katholische Priester sind Projektionsfläche für vieles. Das Amt befinde sich ohne Frage in einer tiefen Krise, erklärt der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes im Abendgespräch.


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Von Miriam Hesse

Diese Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: 12.280 Priester hat die katholische Kirche in Deutschland aktuell. Vor zehn Jahren waren es noch 20 Prozent mehr. „Wir haben ein Problem“, stellt Monsignore Christian Hermes im „Nachgefragt“-Gespräch über den Synodalen Weg mit der Akademiedirektorin Verena Wodtke-Werner fest. Das zeige auch die Aufforderung an das Synodalforum, in einem Grundsatzpapier darzulegen, wozu es überhaupt Priester gebe. „Wir müssen darstellen, warum es ohne Priester keine Kirche gibt“, sagt Hermes: Diese Infragestellung habe viele seiner Kollegen stark verunsichert: „Für viele war das ein Tiefschlag.“

Lieber cool als romantisch verklärt

Zur Krise des priesterlichen Amtes trage auch der normative Anspruch bei, der in der aktuellen Situation eine Überforderung sei. Wie solle beispielsweise ein Priester dem Anspruch genügen, alle seine Gemeindemitglieder persönlich zu kennen, wenn die Gemeindegrößen durch Zusammenlegungen permanent steigen. Auch die psychologische Überfrachtung („Was wird denn noch alles auf den heiligen Mann projiziert?“) sei eine Überforderung. „Man muss doch nicht alles spirituell auf tausend Grad erhitzen“, sagt Hermes über das romantisch verklärte klerikale Bild. „Um es cooler anzugehen, könnte man auch sagen, es geht schlichtweg um einen Dienst an der Gemeinschaft.“

Ob das Ende des Zölibats die Priesterseminare wieder füllen würde? Das bezweifelt der Stadtdekan. Denn die Ursachen für den Priestermangel seien vielfältig und komplex. Allerdings habe er viele kompetente und beziehungsfähige Kollegen gehabt, die aus dem Beruf ausgestiegen seien, um eine Familie zu gründen. „Wir haben gute Leute deshalb verloren“, sagt Hermes.