Ein Mann seines Wortes

Wim Wenders hat im „Metropol“ in Stuttgart seinen Film „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ vorgestellt. Die Akademie erhielt ein vergünstigtes Kartenkontingent – für einen beeindruckenden Abend.

Mit großen braunen Augen schaut er dem Betrachter direkt ins Gesicht – mal lächelnd, mal nachdenklich –, er spricht langsam, bedächtig, wohl formuliert, nicht abgehoben, aber eindringlich: Papst Franziskus. In dem neuesten Werk von Wim Wenders „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ begegnet uns der mächtigste Mann der katholischen Kirche auf Augenhöhe. Das war fast die einzige „Regieanweisung“,  mehr als Wunsch geäußert, die Wim Wenders dem Papst bei seinen vier Begegnungen, die über zwei Jahre stattfanden, gegeben hat. Die frontale Kameraeinstellung sollte bewirken, dass sich jede einzelne Betrachterin und jeder einzelne Betrachter persönlich angesprochen fühlt, wie Wenders beim anschließenden Gespräch über den Film erzählte. Und das gelang! Dieser Kinofilm, an dem Wenders seit 2013 gearbeitet hat, ist ein gelungener Dokumentarfilm, nie langatmig wie vergleichbare Streifen dieser Gattung.

Im Wenders-Film spricht der Papst die Zuschauenden direkt an

Der Film porträtiert den Papst auf seinen vielen Reisen, vor allem in die sogenannten Entwicklungsländer, bei seinen Aktivitäten, etwa bei der Fußwaschung von Häftlingen im Gefängnis, bei seinen Ansprachen – auch als er die Kurie kritisierte. Und er dokumentiert die 55 Fragen und Antworten, die Wim Wenders seinem Gesprächspartner stellte. Das, was der Zuschauer sieht und hört, wirkt glaubhaft und authentisch. Papst Franziskus scheint das Gesagte auch zu leben – ein Mann seines Wortes eben. Das vermittelt der berührende Film. Dabei ist die Botschaft dieses Kirchenmannes durchaus schwer wiegend und mutet den Zuschauenden und Zuhörenden einiges zu. Der Papst, der sich den Heiligen Franziskus als Namensgeber wählte, redet Klartext und prangert oft an: soziale Ungerechtigkeit, finanzielle Ungleichheit, ausbeuterische Umweltzerstörung, skandalöse Missbrauchsfälle in der Kirche. Auf manche Schicksalsschläge weiß auch der Papst keine Antwort, gesteht er. Im Kontext aber spricht er mit überzeugter Gewissheit von der bedingungslosen, großherzigen Liebe Jesu zu jedermann, ob gläubig oder ungläubig. Wir Menschen haben die Wahl, diese Liebe zu erwidern oder nicht.

Im Gespräch nach dem Film erzählte Wim Wenders, wie es zu dem Projekt kam. Er sei vom Präfekt für Kommunikation angefragt worden, einen Film über den Papst zu drehen. Jedoch war es kein Auftragsfilm, der vom Vatikan finanziert oder beeinflusst worden sei. Im Gegenteil, Wenders stand das vatikanische Archiv offen zur Verfügung. Der Filmemacher war frei in seinen Entscheidungen, wohl wissend, dass er den Papst nicht wie einen Schauspieler dirigieren und Gesprächspassagen wiederholen lassen konnte, erzählte der gefeierte Regisseur. Er sichtete 1000 Stunden bereits vorhandenes Filmmaterial, vor allem Passagen über die Reisetätigkeiten des Papstes übernahm er, um die Kosten zu minimieren. 40 Prozent des Budgets sparte er so ein, berichtete er; das Geld stellte er dem päpstlichen Hilfsfonds zur Verfügung.

Das Prädikat „besonders wertvoll“ trägt der Film zu Recht

Der 70-Jährige gesteht, er habe sehr viele Sympathien für das Kirchenoberhaupt, auch wenn er selbst aus der Kirche ausgetreten sei. Er könne nur Filme drehen mit Sujets, die ihn ansprechen und wofür er eintreten könne, ergänzte er lapidar. Am meisten, so schildert der Filmemacher,  habe ihn der Mut und die Furchtlosigkeit des betagten Oberhirten beeindruckt. Die positive Ausstrahlung, die gute Laune und der Optimismus des Papstes seien großartig, ergänzte Wim Wenders. Die Begegnungen mit dem Kirchenoberhaupt seien außergewöhnlich gewesen und hätten ihn selbst verändert. Er sei optimistischer geworden, bekannte der Unprätentiöse freimütig.

Sollte dieser Artikel wie ein Werbeblock für den Film „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ erscheinen, dann trügt der Eindruck nicht. Dieser Kinofilm verdient zu Recht das Prädikat: Besonders wertvoll! Er ist für alle Altersgruppen, für alle Religionsgemeinschaften und sogar für bekennende Atheisten – die der Papst ausdrücklich immer wieder einbezieht – sehenswert.
(Dr. Ilonka Czerny)

Wim Wenders ist nach Stuttgart gekommen, um seinen Papst-Film vorzustellen.


Wim Wenders stand im Kino Rede und Antwort zu dem Film.