Die Bienen des Herrn F.

"Die Schöpfung bewahren" ist an der Akademie ein wichtiges Thema, das beim Fachbereich Naturwissenschaft und Theologie angesiedelt ist. Nachhaltigkeit wird aber auch ganz praktisch gelebt.

Christos Fronimopoulos hat eigentlich Urlaub, aber er ist trotzdem ins Tagungszentrum der Akademie gekommen, um nach dem Rechten zu sehen. Der gebürtige Herrenberger ist gelernter Hotelfachmann, war bis 2010 als Reiseleiter bei einem großen deutschen Touristikunternehmen und arbeitet seit 2012 als Rezeptionist in Hohenheim. Er hat seinen Urlaub aber nicht unterbrochen, um den Kollegen am Empfang zur Hand zu gehen. Ihn zieht es in den Garten hinters Haus: dort besucht er seine Bienen.
Die Liebe zu den Tierchen hat er von seinen vielen Reisen nach Griechenland mitgebracht; dort ist er immer wieder mit Imkern ins Gespräch gekommen.

Mitarbeiter engagieren sich mit Freude

Zuhause hat er die Imkerei zu seinem Hobby gemacht; mit zwei kleinen Völkern hat er angefangen und dabei auch erstmal Lehrgeld bezahlt, denn er wurde anfangs ziemlich zerstochen: „Ich habe ausgesehen wie ein Streuselkuchen“, sagt er lachend. Inzwischen hat er nicht nur Schutzkleidung, sondern weiß auch, wie er mit den Tierchen so umgeht, dass sie ihn nicht wütend attackieren. Denn im Bezirkszüchterverein Herrenberg erwarb er sich das nötige Know How. Und weil in der Akademie Nachhaltigkeit nicht nur ein Schlagwort sein soll, schlug er vor, im Akademiegarten Bienen zu etablieren. Inzwischen blüht  dort eine bunte Blumenwiese und in der Nähe des Bienenstocks lockt ein Insektenhotel allerlei Kleingetier an. An einer anderen Stelle wurde ein kleiner Kräutergarten gepflanzt für die Küche. All das wird liebevoll betreut von Astrit Mallakaj, der als Hausmeister an der Akademie tätig ist.

Die Pflege von Pflanzen und Tieren mache den beiden Spaß, sagt Fronimopoulos, auch wenn es bisher noch keinen Honig zu ernten gab. Der 46-Jährige hat zunächst mit einem „kleinen“ Bienenvolk angefangen, das nur etwa 3000 Bienen umfasst. Doch die Varroa-Milbe hat sich in seinen Bienenstock eingenistet und dem jungen Volk den Garaus gemacht. Danach hat er zwei neue kleine Völker aufgestellt und gegen die Varroa-Milbe behandelt. Nun ist er zuversichtlich, dass sie nach dem tollen Sommer zu  „Wirtschaftsvölkern" heranwachsen, also etwa 40 000 Bienen je Stock, und gut über den Winter kommen.

Gespannt auf die erste Ernte

Nächstes Jahr, so hofft er, kann er dann den ersten Akademie-Honig ernten. Ein großer materieller Ertrag lockt dabei nicht, aber vielleicht ja für kleine Geschenke, eigenen Honig aufs Frühstücksbrötchen oder ein Honigbonbon für die Gäste. Christos Fronimopoulos sagt, er möchte jenseits aller Verwertungskriterien die Gäste der Akademie für die Bienen und Insekten interessieren. Eine Bank auf der Bienenwiese lädt deshalb zum Verweilen ein: „Wer den Bienen nur dabei zuschaut, wie sie rein und rausfliegen, der vergisst den Alltag", sagt Fronimopoulos, „das ist einfach gut für die Seele.“ 

Barbara Thurner-Fromm

 

Zur weiteren Information:

Nachhaltigkeit ist auch ein Thema der Akademiearbeit. Es ist angesiedelt beim Fachbereich Naturwissenschaft und Theologie, der von Dr. Heinz-Hermann Peitz geleitet wird. So werden jährlich Exkursionen zu Orten besonders nachhaltigen Handelns organisiert. Ein Projekt beschäftigt sich mit E-Mobilität, ein weiteres – passend zum vorliegenden Thema – mit dem Insektensterben. Eine Informationsveranstaltung fand bereits in Hohenheim statt, eine weitere folgt in Weingarten. Da das Land Baden-Württemberg in diesem Jahr das Engagement für Artenschutz noch einmal deutlich erhöht hat, werden wir mit Spannung verfolgen, welche Wirkungen diese Maßnahmen haben. Über Newsletter und Folgetagungen halten wir Sie gern auf dem Laufenden.

 

 

Christos Fronimopoulos schaut nach den Bienen im Akademiegarten.


Hausmeister Astrit Mallakaj kümmert sich um die Blumenwiese und das Insektenhotel.


Mehr Natur in der Großstadt bedeutet auch Apfelkuchen mit Obst aus dem Akademiegarten.