Dialog und Lernen über Konflikte hinaus

Miteinander reden und gemeinsam lernen, um bestehende Gräben in Osteuropa zu überwinden – dieses Ziel hat die Akademie mit einem Workshop für junge WissenschaftlerInnen unterstützt.

Die ungelösten Territorialkonflikte in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und der wiedererstarkte Ost-West-Gegensatz führen zu einer tiefen Spaltung innerhalb und zwischen den betroffenen Gesellschaften. Isolation und Perspektivlosigkeit, Vertrauensverlust und mangelnde Dialog- und Kooperationsbereitschaft sind die Folge. Die negativen Dynamiken in und um diese Konflikte sind eine der zentralen Herausforderungen für die Entwicklung der betroffenen Regionen und für die partnerschaftliche Zusammenarbeit in Europa.

Junge Leute können sich offen austauschen

Besonders die jüngere Generation ist vom Verlust der Räume für Begegnung, Austausch und gemeinsames Lernen betroffen. Im Tagungshaus Weingarten der Akademie kamen vom 27. bis 30. August 16 VertreterInnen der Zivilgesellschaft aus Georgien (inklusive Abchasien), Moldau (inklusive Transnistrien), Ukraine, Russland, Schweiz und Deutschland, um Austausch und Zusammenarbeit jenseits bestehender Konfliktlinien zu suchen.

Der viertägige Workshop zum Thema „Developing Joint Learning Opportunities Across Protracted Conflicts” fand im Rahmen der Corridors-Initiative in Zusammenarbeit mit der Akademie der Diözese und dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) in Regensburg sowie mit finanzieller Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) statt.

Neue Projekte: Sommerschule und überregionales Lernprogramm

Corridors – Dialogue through Cooperation bringt seit 2016 junge ExpertInnen, Studierende und HochschullehrInnen aus der Region der Östlichen Partnerschaft und Deutschland zusammen, um Dialog und Kooperation über die Konfliktlinien hinaus zu fördern. Corridors arbeitet mit einem überregionalen Ansatz, welcher besonders jungen VertreterInnen aus Konfliktregionen Perspektiven für Austausch und Zusammenarbeit schafft.

Das Hauptziel des Workshops war die Entwicklung neuer kooperativer Projekte im Bereich formeller und informeller Friedensbildung. Basierend auf einem problemorientierten Dialog und einer Bedarfsanalyse erarbeiteten die 16 PraktikerInnen und WissenschaftlerInnen in Weingarten die Idee einer Sommerschule sowie eines überregionalen distance learning-Programms zum gemeinschaftlichen Lernen, Dialog und Wissenstransfer. Anregungen zur Weiterentwicklung des Konzepts erhielten die Teilnehmenden durch Referentinnen von Kiron Open Higher Education und der ETH Zürich. Das Projekt „Open Peace Education“ soll im Jahr 2019 gemeinschaftlich implementiert werden. Damit würde das Projekt ein äußerst seltenes Beispiel für konkrete und partnerschaftliche Kooperation über Konfliktlinien hinaus.

Sebastian Relitz, Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, Regensburg
Dr. Konstanze Jüngling, Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Die Referentin Dr. Anna Hess Sargsyan, ETH Zürich, diskutiert mit den Teilnehmenden.


Die Teilnehmenden des Workshops hören aufmerksam zu.