Das Grün der Hoffnung

Da Sie die großartigen motivierenden Werke unserer Ausstellung "Kunst ist Lebensbereicherung" derzeit nicht vor Ort betrachten können, kommen wir zu Ihnen. Heute mit Andreas Pytlik.

 

Das Werk der Woche aus der Ausstellung „Kunst ist Lebensbereicherung“ hängt aktuell im Tagungshaus Weingarten. Ein kleiner Baum vor rosa Hinter- und rotbräunlichem Untergrund. Das Leinwandbild fügt sich farblich gut in das räumliche Ambiente mit der stuckierten Decke des ehemaligen Klosters ein. Kompositorisch wurde der Baum leicht aus der Mitte gerückt. Formal und farblich ist er ganz lapidar gestaltet: eine fast kreisrunde grüne Krone und eine braune Gerade als Stamm. „Und das soll Kunst sein?“, wird mancher denken.

Das Bild wurde vom Künstler Andreas Pytlik gemalt, der ganz idyllisch in der Nähe von Wasserburg am Inn lebt und arbeitet. Er, der in der Mitte der Natur beheimatet ist, sollte wissen, wie Bäume aussehen – natürlich weiß er das. Der Titel des Werkes gibt Aufschluss über die Deutung: „planting trees in minds“. Der Künstler selbst schreibt dazu:
 

planting trees in minds...

         eine malerische Begrünung

         eine mentale Aufforstung

         eine Kunstpflanzung

         eine ökologische Meditation

         eine ästhetische Lösung

         ein kultureller Aufschrei

         ein Anarbeiten gegen Zerstörung

         ein seelischer Beitrag


„Planting trees in minds“ ist ein Reihentitel. Der kleine, stark abstrahierte Baum wird bei Andreas Pytlik zur Chiffre für das, was wir Menschen kaum oder nicht mehr in der Realität zu leisten vermögen: uns der Natur intensiv hinzugeben. Wir zerstören unsere Umwelt, das Waldsterben ist allseits offensichtlich. Gesunde grüne Bäume sind laut Umweltstatistik kaum mehr vorhanden. Wenn wir diese harten Fakten nicht einschneidend ändern, werden wir deswegen zunehmend auf unsere Innenschau setzen müssen. Denn der reale Baum könnte einmal nicht mehr existieren. Wohl dem, der dann die Fähigkeit besitzt, Bäume, das Grün der Natur, welches Leben bedeutet, in seinem Inneren bewahrt zu haben.

Seit 1998 beschäftigt sich der Künstler mit der Farbe Grün in all ihren Facetten: Das Wort Grün wurde von ihm in verschiedenen Sprachen aus einer grünen Wiese gestochen, so dass nur noch das Braun der Erde sichtbar wurde. Er positionierte mehrere 100 Flaschen von Grünbelagentferner in Reih und Glied im Innenraum – ein Paradoxon. Grüne Leinwandbilder deklarierte Pytlik zur Wiese und füllte damit ganze Galerien. Dies sind nur einzelne Werkkomplex-Beispiele aus dem Œuvre des Künstlers. Die Farbe Grün wurde für Andreas Pytlik zum weltumfassenden Prinzip.

Der Künstler streift auch durch die Wälder und fotografiert die Natur, jeder einzelne Baum ist ihm wichtig. Auf diesem Foto ist das Zeichen eines kleinen grünen Tannenbaumes an einen lebenden Baum geheftet. Dieser scheinbaren Tautologie wurde eine weitere hinzugefügt: Pytlik schrieb zusätzlich in grünen Druckbuchstaben das Wort „Baum“ darunter. Das Wort, das Zeichen und der Baum selbst sind in der Trias wie ein dreifaches Manifest zur Baum-Erhaltung zu werten. Gleichzeitig steht das Wort „Baum“ wie ein Menetekel unter dem bezeichneten Objekt; es ist eine Warnung an uns alle, den Lebensraum der Bäume zu erhalten.

In der Farbsymbolik bedeutet Grün Gleichgewicht, Harmonie, Wachstum, Glück und Gesundheit. Des Weiteren steht Grün für die Hoffnung. Diese Hoffnung ist mit positiver Erwartung und Zuversicht gepaart. Wir alle können mithelfen, in unserer Innenschau und in der Umwelt Bäume wachsen und leben zu lassen.

Ilonka Czerny

 

Dieser Artikel ist Bestandteil unserer Reihe "Das Werk der Woche":

 

„planting trees in minds“ von Andreas Pytlik im Tagungshaus Weingarten

„planting trees in minds“ von Andreas Pytlik im Tagungshaus Weingarten

Im Atelier von Andreas Pytlik

„Selfie“ von Andreas Pytlik

„Baum“ von Andreas Pytlik