Trauer um Dr. Christoph Schumacher

Mitten aus dem Leben gerissen ist Dr. Christoph Schumacher am 12. Juni in Berlin gestorben. Die Akademie verliert mit ihm den Mitbegründer der Hohenheimer Tage zum Migrationsrecht.

Die Hohenheimer Tage zum Migrationsrecht fanden 1985 zum ersten Mal im Tagungshaus Hohenheim statt und beschäftigten sich mit dem Ehegattennachzug zu türkischen Staatsangehörigen. Dieser ersten Anregung und maßgeblichen Mitwirkung von Christoph Schumacher ist es zu verdanken, dass sich die Hohenheimer Tage zum Migrationsrecht über die Jahre zu einer der bedeutendsten migrationsrechtlichen Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus entwickeln konnten. Christoph Schumacher engagierte sich außerdem als Mitherausgeber der Tagungsdokumentationen zu den Hohenheimer Tagen zum Migrationsrecht beim Nomos-Verlag, aus denen schließlich eine eigene migrationsrechtliche wissenschaftliche Buchreihe hervorging.

Ein Brückenbauer und Menschenfischer

Christoph Schumachers Blick ging immer über den Tellerrand nationaler Politik und Rechtsprechung hinaus. So stieß er 1987 eine Informationsreise zum Thema „Ausländerpolitik im Vergleich – das Beispiel Niederlande“ an, welche die Akademie in Person von Klaus Barwig in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg konzipierte und organisierte. Seither wurden Informationsreisen zu aktuellen migrationspolitischen und -rechtlichen Fragen zu einem wiederkehrenden Bestandteil der Akademiearbeit. Erwähnt sei hier nur eine Informationsreise nach Polen im Kontext des Rückübernahmeabkommens für Flüchtlinge sowie in die Ukraine, die nach Öffnung des Eisernen Vorhangs zum Transitland für Flüchtlinge geworden war. Mehrere Reisen in die Türkei und den Nahen Osten machten auf die Situation ethnischer und religiöser Minderheiten aufmerksam.

Ganz besonderer Dank gebührt Christoph Schumacher für seine Initiative zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter. Ihm ist es ganz wesentlich zu verdanken, dass er im Kontext der erfolgten Wiedervereinigung Fachleute an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart versammelte, die den Grundstein für die später gefundene Entschädigungslösung legten. Dass in Folge daraus eine gesonderte – von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und dem Bischof der Diözese, Dr. Gebhard Fürst, mitgetragene – Initiative für die bei der Kirche beschäftigten Zwangsarbeiter möglich wurde, ist besonders den Anstößen von Schumacher und seiner ihm eigenen Beharrlichkeit zu verdanken.

Jahrzehnte langes Engagement für eine gerechte Welt

Christoph Schumacher war ein Brückenbauer und Menschenfischer, der sein Leben lang auf soziale Gerechtigkeit hingearbeitet hat. Durch seine zugewandte und unkonventionelle Art hat er Menschen unterschiedlichster Herkunft und Weltanschauung in den Dialog gebracht. Auch das 2007 an der Akademie gegründete Wissenschafts-Netzwerk Migrationsrecht geht auf seine Anregung zurück, Hohenheim müsse sich rechtzeitig um Nachwuchsförderung bemühen. In seinen letzten Berufsjahren und über die Altersgrenze hinaus galt seine ganze Energie der Deutsch-Griechischen Versammlung, einem Partnerschaftsprojekt deutscher und griechischer Kommunen und Gebietskörperschaften. Die Situation der in Griechenland lebenden Flüchtlinge war ihm ein Herzensanliegen.

Auch in den letzten Tagen seines Lebens trat Christoph Schumacher für Europa, für einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen und für soziale Gerechtigkeit ein. An der Akademie wird er sowohl menschlich als auch fachlich schmerzlich vermisst werden – viele Ideen für die kommenden Hohenheimer Tage zum Migrationsrecht mussten unausgesprochen bleiben. Seine feste Überzeugung sowie sein Engagement für eine gerechtere Welt werden jedoch bleiben – ganz im Sinne eines „Wer, wenn nicht wir!“

(Klaus Barwig/Dr. Konstanze Jüngling)

Christoph Schumacher im Gespräch: Er gehörte zu den Mitbegründern der Hohenheimer Tage für Migrationsrecht.