23.03.2019, 11:00 Uhr - 17:00 Uhr, Stuttgart-Hohenheim
Regionaltreffen der Gesellschaft der Freunde christlicher Mystik

Mystik und Theosophie

Angelus Silesius (1624-1677) und Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782)
Angelus Silesius, eigentlich Johannes Scheffler, war Lyriker, Theologe und Arzt. 1653 konvertierte er zum Katholizismus, ließ sich zum Priester weihen und wurde in Breslau "zum Gegenreformator und Verteidiger der Kirche". Friedrich Christoph Oetinger, evangelischer Pfarrer und führender Vertreter des württembergischen Pietismus, erkannte in der Geistleiblichkeit das "Ende der Werke Gottes".
In Kooperation mit der Gesellschaft der Freunde christlicher Mystik

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Angelus Silesius (lat. für schlesischer Bote/Engel), bürgerlich Johannes Scheffler, ist bis heute berühmt für seine fast 1700 geistlichen Epigramme in Alexandrinerdoppelversen, die bei der zweiten Auflage 1674 den Titel „Der Cherubinische Wandersmann“ erhielten und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Was Scheffler bei Mystikern wie Tauler, Ruysbroek, Harphius und Maximilian Sandeus „nach der Länge gelesen hat“, will er in den Sinnreimen „als in einem kurzen Begriff“ finden, um die „Seele zur göttlichen Beschaulichkeit“ zu führen (Vorwort).

Neben dem Gemeingut der Mystik wie der Vereinigung der Seele mit Gott findet sich bei ihm aber auch die „geheyme Gottes Weißheit“ eines Augustinus, Eckhart und Bernhard von Clairvaux. „Zur Erkenntnis der Wahrheit gekommen“ ist Scheffler auf seiner Holland-Reise durch den (wenige Tage vor seiner Geburt gestorben) Jakob Böhme, mit dessen Freund, Abraham von Frankenberg (1593-1652), er in einem regen Gedankenaustausch stand.

Hans Urs von Balthasar nannte Angelus Silesius „einen der größten Dichter des Abendlandes“, sein reformierter Basler Kollege Karl Barth hingegen kritisierte die mystischen Paradoxien des Barockdichters als „fromme Unverschämtheiten.“ Gleichwohl fanden sie auch in evangelischen Kreisen Aufnahme, einige Lieder auch im evangelischen Gesangbuch, obwohl Scheffler nach seiner Konversion 1653 zum katholischen Glauben und seiner Priesterweihe 1661 zeitlebens als „Papist“ galt und zu einem maßgeblichen Führer der Gegenreformation in Schlesien wurde.

Wie für Scheffler war auch für den schwäbischen Prälaten Oetinger Jakob Böhme das große Vorbild, ihm widmete er sein erstes (1731) und letztes Buch (1777). Weil auch die Natur den Schöpfer sinnbildlich („emblematisch“) offenbart, wandte er sich gegen die Moralisierung des christlichen Glaubens in der Aufklärung (Leibniz, Wolff). Aber auch Oetinger ging es im Geist der Zeit um ein alle Wissensgebiete umfassendes „Gesamtsystem“ der Wahrheit („philosophia sacra“) auf der Grundlage von Schöpfung und Bibel. Als Ziel der „Werke Gottes“ verstand er die von Christus bewirkte himmlische Geistleiblichkeit, die auch die Natur umfasst. Eine besondere Rolle spielte für Oetinger die jüdische Mystik: Bei der Erstellung der kabbalistischen Lehrtafel der Prinzessin Antonia in Bad Teinach bei Calw war er einer der beratenden Theologen und schrieb ein Buch dazu.

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