Diese Veranstaltungen richten sich an ein Publikum mit besonderem fachlichen Interesse, bzw. an geschlossene Zielgruppen.

 

 

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02.04.2020, 14:00 Uhr - 04.04.2020, 14:00 Uhr, Stuttgart-Hohenheim
Veranstaltungen für ExpertInnen

Gesicht und Handschrift

Transzendente Begründung und Authentifikation in mittelalterlichen Visionen
Jenseitsvisionen werden mehrfach umgeschrieben - auch im Interesse von politischen, religiösen und sozialen Verhältnissen. Aus den Blickwinkeln unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen wird die Tagung Funktion und Erzählstrategien mittelalterlicher Visions-Erzählungen in hagiographischen, historiographischen und chronikalischen Quellen beleuchten.
In Zusammenarbeit mit dem DFG-Projekt "Vergänglichkeit und Ewigkeit" (Universität Kiel) und dem Arbeitskreis für hagiographische Fragen

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Die Erfahrung, jenseitige Straf- und Verheißungsorte zu schauen und die körperlichen Strafen sogar selbst zu erfahren, ist nicht erst Thema der berühmten Göttlichen Komödie Dante Alighieris. Als Jenseitsvision oder -reise ist sie Gegenstand zahlreicher mittelalterlicher Texte, etwa im Rahmen von hagiographischen Werken oder von Chroniken. Im späten Mittelalter steigt die Textproduktion lateinischer und volkssprachlicher Visionen stark an, diese werden nun auch zunehmend von einer städtisch-laikalen Leserschaft rezipiert und treten in neuen Konstellationen, etwa mit Ars moriendi-Literatur, auf.

Die Fülle mittelalterlicher Visionen ist bis heute noch nicht vollständig erschlossen. An diesem vielgestaltigen Textkorpus können verschiedene Fragen der Medialität und Überlieferung von Offenbarungstexten untersucht werden. Visionen gehen nicht nur mit dem Mysterium des Geschauten, sondern auch mit den Schwierigkeiten um, dieses in verbindlicher Form zu vermitteln. Die Jenseitsvisionen des oder der Einzelnen gehen durch zahlreiche Ohren und Hände, sie werden immer wieder umgeschrieben und retextualisiert. In unterschiedlichen Sammlungskontexten können Visionen zudem den jeweiligen politischen, religiösen und sozialen Verhältnissen entsprechend funktionalisiert werden. Diese Prozesse des Aufschreibens sind notwendig, um Offenbarungswissen zu speichern, sie gefährden aber zugleich auch den Anspruch göttlicher Wahrheit.

Mittelalterliche Visionen stehen somit in einem medialen Spannungsverhältnis von „Gesicht und Handschrift“. Diesen Zusammenhang beleuchtet die Tagung aus den Blickwinkeln der Geschichts- und Literaturwissenschaft, der Theologie und der Kunstgeschichte. Im Zentrum stehen die verschiedenen Funktionen von Visionen in hagiographischen und historiographischen Quellen, etwa wenn sie historische Ereignisse transzendent begründen sollen. Umgekehrt wird auch danach gefragt, mit welchen Strategien Offenbarungen authentifiziert werden und welche Akteure, Institutionen und Medien dafür relevant sind.

Die Tagung findet in Zusammenarbeit mit dem DFG-Projekt „Vergänglichkeit und Ewigkeit. Konfrontationen und Verschränkungen unterschiedlicher Zeitsemantiken in mittelalterlichen Jenseitsreisen“ (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) und dem Arbeitskreis für hagiographische Fragen statt. Nähere Informationen zum Arbeitskreis finden Sie unter: www.akademie-rs.de/hagiographie

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Dr. Petra Steymans-Kurz

Fachbereichsleiterin

Tel.: +49 711 1640 753
Fax.:+49 711 1640 853
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