29.07.2019, 15:00 Uhr - 01.08.2019, 13:00 Uhr, Weingarten
Philosophische Sommerwoche Weingarten

Geschichte, Dialektik und Poesie

Vom Deutschen Idealismus zur deutschen Romantik
Der Deutsche Idealismus will das Ganze der Welt in einem umfassenden Gesamtentwurf oder "System" wissenschaftlich auf den Begriff bringen und erschöpfend darstellen. Als Reaktion hierauf und auf ein verbürgerlichtes Christentum strebt die deutsche Romantik danach, die Welt durch Poesie, Ästhetik und Gefühl mit dem Höheren, Unsichtbaren und Unendlichen zu verbinden und so zu "romantisieren". Natur, Volkspoesie, Übersinnliches, Wunder, das Traumhafte-Unbewusste gewinnen dadurch neu an Bedeutung.

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Im Frühjahr 1792 erschien auf Veranlassung von Immanuel Kant anonym Johann Gottlieb Fichtes Schrift „Versuch einer Kritik der Offenbarung“, die alle Welt Kant zuschrieb, der dann die Verfasserschaft aufdeckte, wodurch Fichte mit einem Schlag berühmt wurde. Ein Verehrer, ja Enthusiast der ersten Stunde von Fichtes Philosophie des lebendigen Ichs und seiner „Tathandlung“ als ein Erweckungserlebnis durch Denken war Friedrich Hölderlin, aber auch Novalis. Dessen Vater Heinrich von Hardenberg hatte die Ausbildung des mittellosen jungen Fichte finanziert. Auch Goethe war fasziniert von der revolutionären Umwälzung der ganzen bisherigen Philosophie.

Mit seiner „Wissenschaftslehre“ ging es Fichte darum, Kant zu vertiefen und dessen Begriff der Freiheit zu radikalisieren: Die Freiheit sollte nicht bloß träge Reaktion sein, sondern tätige, weltgestaltende Aktion durch die bewusste, aber auch unbewusst wirkende produktive Einbildungskraft des Ichs. Um 1797 entwickelten Hölderlin, Hegel und Schelling „Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus“ (gefunden 1927), worin es heißt: „Die erste Idee ist natürlich die Vorstellung von mir selbst, als einem absolut freien Wesen. Mit dem freien, selbstbewussten Wesen tritt zugleich eine ganze Welt – aus dem Nichts hervor – die einzig wahre und gedenkbare Schöpfung aus dem Nichts.“

Erstrebt wurde eine „Mythologie der Vernunft“: Die Ideen sollten zur Bildung der Gesellschaft ästhetisch in uneigentlicher Bilderrede eingekleidet werden. Kants Kritische Philosophie hatte einen Dualismus von objektivem Materialismus und subjektivem Geist (Freiheit) hinterlassen, der überwunden werden sollte einerseits durch das Sittliche (Schiller, Fichte, Hegel), andererseits durch das Ästhetische (Novalis, Schlegel, Hölderlin).

Für die Romantiker gewinnen Natur und Volkspoesie, Religion (das „katholische“ Mittelalter, Übersinnliches, Wunder) und das Traumhaft-Unbewusste (die „Nacht“, das „Dionysische“) neu an Bedeutung, um die entzauberte Welt wieder zu „romantisieren“ und in der Natur ein Mysterium zu entdecken. Durch die Poetisierung der Wirklichkeit wird die Welt wieder ins göttliche Geheimnis gehüllt. So wird „deutlich, wogegen die Romantiker eigentlich kämpfen: Es ist die Gefahr des modernen Nihilismus“ (Rüdiger Safranski).

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