05.04.2020, 09:00 Uhr - 17:00 Uhr, Alte Kanzlei
Die Veranstaltung wird aus aktuellem Anlass verschoben, da die Premiere sowie weitere Aufführungen der Oper ausfallen!

Juditha triumphans

Eine Oper von Antonio Vivaldi

Das lateinische Oratorium nimmt die alttestamentarische Geschichte von Judith und Holofernes zum Thema. Die Rettung des israelitischen Volkes durch Judith impliziert auch die Frage, unter welchen Umständen ein politisch motivierter Übergriff befürwortet werden kann.
In Zusammenarbeit mit der Oper Stuttgart

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Das Buch Judit, in dem der Name der Heldin anders als allgemein gebräuchlich ohne „th" geschrieben wird, beinhaltet keine historisch-chronologische Begebenheit. Es ist eine biblische Erzählung, die als Lehrschrift zu verstehen ist, in der geschichtliche Macht- und Kräfteverhältnisse aufgezeigt werden. Das alttestamentarische Buch handelt von der Bedrohung des in Bethulien lebenden Gottesvolkes Israel durch die heidnische Weltmacht um König Nebukadnezar. Der gottesfürchtigen Witwe Judit gelingt die Volksbefreiung mit dem Tyrannenmord an dem Feldherrn Holofernes. Die Erzählung ist ein metaphernreicher, symbolträchtiger und politischer Mythos, der Raum für Interpretation lässt. Die beiden Pole männlich und weiblich bieten eine schillernde Folie für blutreiche kunsthistorische Darstellungen, dramatische literarische Texte und theatralische Musikstücke.

Der Sieg der christlich geprägten venezianischen Seerepublik gegen das osmanische Reich inspirierte Antonio Vivaldi 1716 zu seinem ‚geistlich-militärischen‘ Oratorium Juditha triumphans. Judit steht für die Seerepublik Venedig, Holofernes repräsentiert das osmanische Reich. Judits Magd Abra ist der Glaube und Bethulien die katholische Kirche, wie es in der Opernbroschüre steht. In der Stuttgarter Inszenierung wird kein Glaubenskrieg mehr geführt, aber die Handlungsebenen zwischen Maskulinität und Femininität werden hinterfragt und typische Rollenmuster aufgebrochen – auch dafür steht die biblische Judit.

Diese reichhaltigen Zeugnisse mit ihren meist zeithistorischen Kontexten bieten reichlich Stoff für eine interdisziplinär angelegte Operntagung. Zunächst wird die biblische Erzählung exegetisch erläutert. Daran knüpfen kunsthistorische Motive an, die in einer Auswahl in den Blick genommen werden. Der thematische Schwerpunkt liegt auf der Stuttgarter Operninszenierung, die zunächst in Ausschnitten vorgestellt wird. Der Höhepunkt ist der Besuch des Opernhauses mit der Bühnenbesichtigung und einem Gespräch mit der Hauptdarstellerin. Die Aufführung kann anschließend individuell besucht werden. Und wer dann noch möchte, ist herzlich zum Nachgespräch eingeladen.

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