Mission einst und heute

Die Akademie hat ihr Veranstaltungsprogramm wieder aufgenommen. Es ist ein Herantasten an die neue Normalität unter den besonderen Bedingungen in Corona-Zeiten.

Mit einer ökumenischen Veranstaltung hat die Akademie die veranstaltungsfreie Zeit wegen der Corona-Krise beendet. „Mission im Kontext der Modernisierung, Pluralisierung und der neuen ökumenischen Realität“ lautete der Titel der Fortbildungsveranstaltung, der Priester und Gemeindeleiter verschiedenster orientalischer und orthodoxer Gemeinden Baden-Württembergs im Tagungshaus in Stuttgart-Hohenheim zusammenführte. Unter Leitung von Dr. Vladimir Latinovic fand die Tagung statt im Rahmen des Projekts „Schatz des Orients“. Mit diesem Projekt reagiert die Akademie auf die stark wachsende Zahl orthodoxer Christen in Deutschland. Ziel ist es, diese Gemeinden zu vernetzen und sie besser gesellschaftlich sichtbar zu machen.

Etwas erschwert sind die Bedingungen für eine solche Veranstaltung derzeit natürlich durch die Corona-Pandemie. Masken und strenge Hygienevorschriften ließen deshalb nicht so viel Raum wie gewünscht für spontane Begegnungen; gleichwohl zeigte das rege Interesse am Austausch, dass der Bedarf, mehr voneinander und übereinander zu erfahren, groß ist. Im Eröffnungsvortrag schilderte die Pastoralreferentin Dr. Monika Kling-Witzenhausen das katholische Missionsverständnis, wie es über die vielen Jahrhunderte gewachsen ist, aber auch wie es sich heute gewandelt hat. Deutlich wird dies in dem ökumenischen Dokument „Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“.

Der Religionswissenschaftler Professor Dr. Andreas Feldkeller von der Theologischen Fakultät Berlin referierte über das Missionsverständnis in den evangelischen Landeskirchen, das nach dem Zweiten Weltkrieg einem grundlegenden Wandel unterworfen wurde. Er beschrieb den ökumenischen Prozess der „Integration von Kirche und Mission“ als wechselseitigen Austausch. Über die missionarische Wirksamkeit von Freikirchen in Deutschland sprach anschließend Professor Dr. Philipp Bartholomä von der Freien Theologischen Hochschule Gießen.  Die Freikirchen verstanden sich im 19. Jahrhundert als missionarische Bewegung.

Wie Missionierung heute praktiziert werden kann im Zeitalter des Internets, darüber sprach zum Abschluss der Tagung Pfarrer Christian Olding von der Katholischen Kirchengemeinde St. Maria Magdalena in Geldern. Olding bürstet nicht nur mit seinem Buch „Klartext, bitte! Glauben ohne Geschwätz“ die Kommunikation der Kirchen gegen den Strich, sondern zeigt durch seine Präsenz im Internet und den sozialen Medien auch, wie christliche Glaubenskommunikation heute aussehen muss, damit sie die Menschen überhaupt noch erreicht. Das Interesse der orthodoxen Priester an diesem für ihre Kirche noch sehr neuen Terrain war groß, das Staunen darüber, welche Wege die katholische Kirche inzwischen geht, um den sich beschleunigenden Schwund der Kirchenmitglieder aufzuhalten, auch.  

(Barbara Thurner-Fromm)

Masken beherrschten die erste Tagung nach der Wiedereröffnung der Akademie in Hohenheim. Auch diese drei Priester nutzen den Mund/Nase-Schutz.


Mit Sicherheitsabstand: Blick in den Vortragssaal


Dr. Vladimir Latinovic leitet das Projekt „Schatz des Orients“ an der Akademie.


Dr. Monika Kling-Witzenhausen hielt (dann allerdings ohne Maske) den Eröffnungsvortrag.


Die Türen in den Innenhof des Tagungszentrums wurden immer wieder geöffnet, um gut durchzulüften.