Liebe Leserin, lieber Leser,

die Ampel leuchtet, die Koalition ist besiegelt, der Honeymoon der drei ungleichen Partner hat die Verhandlungen offenbar ohne größere Schrammen überstanden. Und dazu gibt es viel erwartungsfrohe Resonanz in sozialen wie klassischen Medien. Alles auf Aufbruch – aber wohin? Die Erwartungshorizonte ganz großer Reformen scheinen sich weder in der Bevölkerung noch im Koalitionsvertrag aufzutun. Und statt radikaler Veränderungsstimmung dürfte eher wohltemperierte Harmonie den Ton vorgeben.

Wenn man also eine Sehnsucht im Aufbruchsgefühl erkennen kann, ist es die nach Normalität. Denn nichts ist mehr normal: nicht das Abdriften in Querdenkerei und Verschwörungsunsinn, nicht die zunehmenden Irritationen im Verhältnis zu Russland bis hin zur Kriegsgefahr, nicht die bedrohlichen Veränderungen des Klimas, nicht die in immer neuen Wellen sich überschlagende Pandemie mit ihren zuvor ungeahnten Zumutungen für das soziale Leben. Da tut es gut, dass Olaf Scholz als frisch gewählter Kanzler die allzu geläufige Floskel von der „Spaltung der Gesellschaft“ in sachliche Schranken weist. Da tut es auch gut, dass trotz Virusvarianten und trotz Impfskepsis ein begründeter Optimismus auf ein wenn auch fernes Licht am Ende des Pandemietunnels weist.

Aber eine Rückkehr zur Normalität wird es nicht geben, viele der Herausforderungen werden bleiben, weitere hinzukommen. Hoffnung kann auf keine wundersame Auflösung epochaler Probleme in Wohlgefallen bauen, wohl aber auf menschliche Solidarität, Einsicht, Gerechtigkeit und damit – religiös gesprochen – auf den Beistand des Heiligen Geistes. Seine Kraft steht in der Tat für Dynamik statt Beharren, und wenn gerade jetzt in der Weihnachtszeit manche teure Tradition und manche liebe Gewohnheit auf der Corona-Kippe stehen, sollte man sich an die ursprüngliche Botschaft dieses Festes erinnern. Gott ist Mensch, sein Wort ist Fleisch geworden: eine aufregende, befreiende Botschaft, ein wahrer Aufbruch, eine Konfrontation mit Leid, Elend, Gewalt und all den Krisen der bestehenden Verhältnisse; jedenfalls kein Versprechen auf Normalitäts- und Wiederholungsrituale.

Herzlichst, Ihre

 

Inhalt

Breite Flügel

Menschen können Engel sein – mit Flügeln aus Plastik. Für sein Bild „Die erste Umarmung“ hat der Däne Mads Nissens den Weltpressefoto-Award erhalten. Aufgenommen ist es in Brasilien. In der ersten Hochphase der Coronakrise wurden dort Menschen in Pflegeheimen rigoros abgeschirmt von ihren Angehörigen. Auch das Personal musste den Körperkontakt auf ein Minimum reduzieren.

Dann wird Rosa Luzia Lunardi von der Pflegerin Adriana Silva da Costa Souza umarmt – zum ersten Mal nach fünf Monaten. Möglich machte dies ein simpler „Hug Curtain“ (Umarmungsvorhang). Merke: Liebe und Hoffnung bahnen sich ihren Weg – notfalls in Kunststoff-Folie.

Die nächsten Veranstaltungen

 
 
 
 
 
 

Aktuelles

 
09.12.2021, Stuttgart
Die VDA-Präsidentin, Hildegard Müller, und Kai Burmeister, Gewerkschaftssekretär der IG-Metall, diskutierten in unserer Gesprächsreihe zu Wirtschaftsthemen.
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09.12.2021, Weingarten
Afrika ist stark vom Klimawandel betroffen, obwohl ihn diese Länder kaum verursachen. Im Fokus der Weingartener Afrikagespräche standen Auswirkungen und Lösungsansätze.
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03.12.2021
Die größte Menschenrechtsorganisation Russlands könnte zum Opfer des Putin-Regimes werden. Das Netzwerk ist eng mit Deutschland verbunden – auch mit der Akademie.
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02.12.2021, Stuttgart
Das neue Programm der Akademie für die erste Hälfte des Jahres 2022 ist da. Viel Freude beim Schmökern! Aktuelle Ergänzungen finden Sie auf unserer Homepage.
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01.12.2021, Weingarten
Religionen sind oft an gewalttätigen Konflikten beteiligt, jedoch nicht deren Ursache, betonte der Friedensforscher Andreas Hasenclever bei seinem Vortrag im Tagungshaus Weingarten.
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30.11.2021, Stuttgart
Der Film „Der Patriarch des Volkes“ dokumentiert das Wirken von Michel Sabbah im Nahen Osten. Die Akademie zeigte das Porträt bei einem Filmabend, der auf viel Resonanz stieß.
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29.11.2021
In der Neuaufnahme der „Wandergespräche“ widmet sich Pater Klaus Mertes im Gespräch mit Akademiedirektorin Verena Wodtke-Werner den etwas sperrigeren Themen.
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Für die Geschäftsstelle in Stuttgart suchen wir baldmöglichst eine AssistentIn (m/w/d), die mit Engagement und Kompetenz die Arbeiten des Fachbereichs betreut.
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